Springer kurz vor Übernahme des Fernsehsenders Pro-Sieben-Sat.1

- München - Europas größter Zeitungskonzern Axel Springer steht offenbar kurz vor der Übernahme der TV-Kette Pro-Sieben-Sat.1. Die "Financial Times Deutschland" berichtete unter Berufung auf mehrere ungenannte Quellen, dass sich Springer-Chef Mathias Döpfner und der Sender-Haupteigentümer Haim Saban in München getroffen hätten. Beide Seiten seien übereingekommen, noch im August einen Vertrag zu unterschreiben.

Pro-Sieben-Sat.1 und Springer wollten die Spekulationen nicht kommentieren. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass die Verhandlungen bereits eine kritische Phase erreicht hätten und jederzeit abgeschlossen werden könnten. Allerdings sei auch möglich, dass beide Seiten eine weitere Gesprächsrunde auf höchster Ebene vereinbaren könnten. In den vergangenen Wochen hätten Experten und Berater von Springer die Bücher des Fernsehkonzerns einer tiefgreifenden Prüfung unterzogen, einer so genannten Due Dilligence.

Saban hatte stets betont, seinen Anteil an dem TV-Konzern langfristig halten zu wollen. Die Familie des US-Milliardärs hält allerdings nur knapp ein Viertel an der Pro-Sieben-Dachgesellschaft German Media Partners. 75,1 Prozent liegen bei internationalen Finanzinvestorenfonds, denen ein Interesse nachgesagt wird, in absehbarer Zeit ihre Anteile an der Holding lukrativ weiterveräußern zu wollen.

German Media Partners hält 50,5 Prozent am Gesamtkapital der Pro-Sieben-Sat.1 AG sowie 88 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien, Springer bislang jeweils 12 Prozent.

Nach dem Bericht der "FTD" wollen sich die Finanzinvestoren möglichst bis zum Herbst zurückziehen, während Saban zunächst weiter im Eigentümerkreis bleiben wolle. Die Investoren und Springer stünden jedoch unter Zeitdruck, weil sie das Geschäft bis Jahresende abgeschlossen haben wollen. Allerdings könne die kartellrechtliche Prüfung bis zu vier Monate in Anspruch nehmen.

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner hatte im April bei der Hauptversammlung seines Konzerns erklärt, der Aufbau eines zweiten Standbeines im deutschen TV-Geschäft sei für den Verlag eine Option, um Umsatz und Gewinn zu steigern. Die Beteiligung an Pro-Sieben-Sat.1 solle daher mittelfristig entweder aufgestockt oder zu einem attraktiven Preis verkauft werden, so Döpfner.

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