Springer will auf ProSieben verzichten

- München/Berlin - Die Übernahme der Fernsehsendergruppe ProSiebenSat.1 durch den Axel Springer Verlag könnte vor dem Durchbruch stehen. Wie aus einem Schreiben der Springer-Anwälte an das Bundeskartellamt hervorgeht, will sich der Verlag vom Sender ProSieben trennen und so Bedenken der Wettbewerbshüter sowie der Medienaufsicht zerstreuen. Strittig ist allerdings der Zeitpunkt einer potenziellen Abtrennung des Senders.

Springer will die ProSiebenSat.1 Media AG übernehmen und anschließend den Sender ProSieben verkaufen. "Die Gesellschaft würde auf einen unabhängigen Dritten übertragen werden, der gewährleistet, dass der Sender auf dem deutschen TV-Werbemarkt dauerhaft wettbewerbsfähig sein wird", heißt es in dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt. Mit dem Verkauf würde ProSieben auch aus der Vermarktung durch Seven One Media herausgelöst.

Doch das Kartellamt fordert die umgekehrte Reihenfolge. Eine Freigabe der Mega-Fusion zwischen dem Zeitungshaus ("Welt", "Bild") und der Fernsehgruppe ("ProSieben", "Sat.1", "Kabel1", "N24") sei nur denkbar, wenn der Sender ProSieben vorher herausgelöst und verkauft wird. "Durch die aufschiebende Bedingung wird sichergestellt, dass der Sender ProSieben mit einem Marktanteil am bundesweiten Fernsehwerbemarkt von etwa 20 Prozent nicht von der Axel Springer AG übernommen und die Fernsehwerbezeit von einem nicht Springer zuzurechnenden Unternehmen vermarktet wird", erklärte Kartellamtschef Ulf Böge.

In einer Mitteilung erklärte Springer, man prüfe, ob die vom Kartellamt geforderte Konstruktion "wirtschaftlich und rechtlich überhaupt umgesetzt werden kann". In dem Schreiben an das Kartellamt argumentiert Springer damit, dass ein Herauslösen von ProSieben aus der Sendergruppe vor Ablauf des Jahres 2006 "eine Belastung mit Körperschaft- und Gewerbesteuer im oberen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich zur Folge hätte". Unter dieser Bedingung wäre eine Veräußerung von ProSieben für Springer "kaufmännisch ausgeschlossen". Deshalb fordert der Verlag eine Freigabe der Fusion mit der Auflage, dass Springer innerhalb einer Frist von einem Jahr nach Vollzug der Transaktion ProSieben abgibt.

ProSiebenSat.1: Widerstand gegen Aufspaltung erwartet

Bislang hatte neben dem Kartellamt auch die Medienaufsichtskommission KEK Einwände gegen die Übernahme vorgebracht. Die KEK befürchtet eine vorherrschende Meinungsmacht von Springer, die die Meinungsvielfalt bedrohen könne. Im Falle einer Veräußerung von ProSieben wären diese Bedenken aber offenbar zerstreut.

Bei ProSiebenSat.1 ist heftiger Widerstand gegen einen möglichen Verkauf von ProSieben zu erwarten. Der Vorstand könne einem Verkauf des Stammsenders nicht zustimmen, weil dieser Schritt nicht im Interesse des Unternehmens sei, hieß es in Branchenkreisen. Die Integration von Sat.1 sei nicht einfach gewesen, nun gebe es zahlreiche Synergien zwischen den beiden Hauptsendern der TV-Gruppe. ProSieben hatte jahrelang den Großteil der Gewinne für den Konzern beigesteuert.

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