Springer-Chef hat ausgeträumt: Döpfner bläst ProSieben-Kauf ab

- München - Schon Axel C. Springer träumte davon, ins Fernsehgeschäft einzusteigen. Doch was der legendäre Gründer des Axel Springer Verlags nicht hinbekam, will auch den heutigen Lenkern des Zeitungs-Imperiums nicht gelingen: Vorstand Mathias Döpfner hat die umstrittene Übernahme von ProSiebenSat1 abgeblasen. Die größte deutsche Privatsender-Gruppe bleibt damit vermutlich auch künftig in den Händen ausländischer Eigentümer. Einen Jobabbau wird es aktuell aber nicht geben, wie Haim Saban nach Informationen unserer Zeitung Edmund Stoiber versicherte.

Neun Tage nach dem Fusionsverbot durch das Kartellamt gab der Springer Verlag ("Bild", "Die Welt") bekannt, den geplanten Kauf von ProSiebenSat1 nicht weiterzuverfolgen. Dies geschehe mit dem Einverständnis der P7S1 Holding, unter deren Dach sich die Mehrheitseigner des Münchner TV-Konzerns zusammengeschlossen haben, hieß es in einer Mitteilung. Springer-Chef Döpfner hatte mit dieser Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban im August 2005 vereinbart, deren Anteile zu übernehmen. Dadurch wäre neben dem Bertelsmann-Konzern ein zweites deutsches Medien-Schwergewicht entstanden.

Nach dem Veto der Wettbewerbshüter, die eine zu große Meinungsmacht befürchten, hatte Springer angekündigt, alle Möglichkeiten gegen diese Entscheidung zu prüfen. Das wären neben einer langwierigen Klage eine Ministererlaubnis gewesen, durch die der Bundeswirtschaftsminister Fusionen trotz ablehnender Kartellamtsbeschlüsse genehmigen darf. Doch das Verlagshaus entschied sich gegen beide Optionen: Dadurch entstünden "für alle Beteiligten unzumutbare Risiken".

"Wir nehmen das sportlich und schauen nach vorne", kommentierte Mathias Döpfner die gescheiterte Fusion. Er hatte bereits früher durchblicken lassen, dass Springer sein Glück verstärkt im Ausland suchen werde, wenn das Zusammengehen mit ProSiebenSat1 nicht klappt. Dabei hat das abgeblasene Geschäft den Verlag nach eigenen Angaben kaum etwas gekostet: Es gebe keine Zahlungsverpflichtungen gegenüber P7S1, sagte eine Sprecherin.

Die Entscheidung Springers stieß auf ein geteiltes Echo. Während sie der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands Michael Konken als gut für die Medienvielfalt" bezeichnete, zeigte sich der Vorstandschef von ProSiebenSat1, Guillaume de Posch, enttäuscht: "Die Transaktion wäre eine gute Lösung gewesen." Ähnlich äußerte sich ein Arbeitnehmer-Vertreter des Unternehmens gegenüber unserer Zeitung.

Wie es mit ProSiebenSat1 weitergeht, ist unklar. "Wir werden alle unsere Optionen prüfen", ließ Haim Saban in Los Angeles mitteilen. Wie unsere Zeitung erfuhr, versicherte er dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber aber telefonisch, dass die über 2500 Arbeitsplätze "aktuell gesichert" seien. Der gebürtige Ägypter erklärte, dass das Unternehmen sehr gut dastehe und er unter keinerlei Zugzwang stehe.

Beobachter nehmen jedoch an, dass Saban die 2003 erworbenen ProSiebenSat1-Anteile in absehbarer Zeit auf jeden Fall abstoßen will. So sagte der Medienanalyst der HypoVereinsbank, Peter-Thilo Hasler: "Ich gehe davon aus, dass er schon die Fühler ausstreckt." Dabei wird es nach seiner Einschätzung nicht mehr zu einer "deutschen Lösung" kommen, da es keine geeigneten Interessenten gebe.

Ausländischer Investor: Furcht vor Profitmaximierung

Edmund Stoiber sagte dazu, es sei eine Lösung vertan worden, bei der ein deutsches Unternehmen in Deutschland Milliarden investiert hätte. "Andere Länder errichten Hürden für Übernahmen heimischer Unternehmen durch ausländische Konzerne, Deutschland dagegen baut Hürden auf für deutsche Investoren auf", so Stoiber.

Der Präsident der Bayerischen Landesmedienzentrale, Wolf-Dieter Ring, sagte unserer Zeitung, bei einem ausländischen Investor bestehe die Gefahr, dass dieser nur Profite maximieren wolle.

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