Springer/ProSieben: Die Sorgen des Kartellamts

- Bonn/Berlin - Das Bundeskartellamt hat seine Bedenken gegen die geplante Übernahme von ProSiebenSat.1 durch den Springer-Konzern bekräftigt. Behördenpräsident Ulf Böge sagte, die milliardenschwere Fusion würde zu einer "nach dem Kartellrecht nicht genehmigungsfähigen Marktmacht führen". Dies betrifft nach seinen Worten den TV-Werbemarkt, den von "Bild" dominierten Markt für Boulevardzeitungen und das Anzeigengeschäft bei Zeitungen.

Laut Medienberichten will Springer dem Amt nun möglicherweise anbieten, einige Geschäfte oder Beteiligungen zu verkaufen, um die Bedenken zu zerstreuen. Verkauft werden könnten nach Informationen der "Financial Times Deutschland" die Beteiligung am Druckkonzern Prinovis, Anteile an Radiosendern sowie der Programmzeitschriften, zu denen "Hörzu" gehört. Springer-Sprecherin Edda Fels nannte dies jedoch "reine Spekulation".

Laut Böge haben die Beteiligten nun drei Wochen Zeit für Stellungnahmen. Die Entscheidung des Kartellamts werde vor dem Jahresende fallen, versicherte er. Nach Einschätzung der Behörde würde der Zusammenschluss eine schon vorhandene marktbeherrschende Stellung weiter verstärken - auf dem Fernsehwerbemarkt, bei den Straßenverkaufszeitungen und auch im Geschäft mit Zeitungsanzeigen.

Auf dem TV-Werbemarkt verfügten ProSiebenSat.1 und die zu Bertelsmann gehörende RTL-Sendergruppe mit einem seit Jahren konstanten Marktanteil von etwa 80 Prozent über eine gemeinsame marktbeherrschende Position, ein so genanntes "wettbewerbsloses Duopol", erläuterte die Wettbewerbsbehörde. Durch den Zusammenschluss käme es - auch durch eine Reihe von Verflechtungen zwischen Springer/ProSiebenSat.1 und Bertelsmann - zu einer weiteren Absicherung und Verstärkung des Duopols. Diese Verflechtungen beträfen gemeinsame Minderheitsbeteiligungen von Springer und Bertelsmann an mehreren privaten Hörfunksendern wie Radio Hamburg und Antenne Bayern und Pressevertriebsunternehmen wie in Leipzig, Dresden und Berlin sowie die gemeinsame Beherrschung des Tiefdruckunternehmens Prinovis.

Auf dem Markt für Straßenverkaufszeitungen würde der Zusammenschluss zu einer Verstärkung der marktbeherrschenden Stellung von Springer führen, erklärte das Kartellamt. Der Verlag habe mit der "Bild"-Zeitung einen Marktanteil von 80 Prozent.

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