Sprit aus Biomasse stark im Kommen

- Berlin -­ Vom Feld in den Tank: Die neueste Generation von Diesel aus Biomasse könnte theoretisch schon heute ein Fünftel des Kraftstoffbedarfs in Deutschland decken, bis 2030 gut ein Drittel. Dies geht aus einer Studie der Deutschen Energie-Agentur hervor.

Ergebnis: Die Herstellung solcher BtL-Kraftstoffe im großen Stil ist technisch machbar und sollte schnell in Angriff genommen werden. Gesucht werde nun ein Investor, sagte Dena-Chef Stephan Kohler. Er forderte mehr staatliche Unterstützung.

Die neuen Kraftstoffe nach dem BtL-Verfahren (Biomass to Liquid) seien "eine der vielversprechendsten Optionen im Kraftstoffbereich", meinte Kohler. Sie helfen demnach beim Klimaschutz ­ und zwar weit mehr als bisherige Biokraftstoffe: Könne mit Biodiesel etwa die Hälfte der Emissionen von herkömmlichem Benzin vermieden werden, so seien es bei BtL rund 90 Prozent. Zudem seien die Ausbeute größer, die Herstellungskosten niedriger und die Qualität höher als beim herkömmlichen Biosprit. Im Vergleich zu normalem Benzin oder Diesel komme hinzu, dass Deutschland weniger von Importen abhängig wäre und bei der Herstellung hier Arbeitsplätze entstünden.

Für die Herstellung können praktisch alle Sorten von Biomasse verwendet werden, ob nun Holz, Stroh, Nutzpflanzen oder Kuhdung. Folglich reiche die verfügbare Biomasse aus, um mit jetziger BtL-Technik 20 Prozent des heutigen Kraftstoffbedarfs zu decken, ist ein Ergebnis der Studie. Diese unterstellt, dass sich die Technik verbessert und somit 2030 der Anteil des Biosprits beim Kraftstoffbedarf auf bis zu 35 Prozent wachsen könnte.

"Biokraftstoffe können einen wichtigen Beitrag für Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Wertschöpfung im ländlichen Raum leisten", lobte auch Clemens Neumann, Abteilungsleiter im Bundeslandwirtschaftsministerium. Allerdings "gibt es bei BtL noch einige offene Fragen".

So kostet die Herstellung eines Liters BtL nach Kohlers Worten nach heutigem Stand rund 88 Cent. Eine Verminderung der Kosten auf unter 70 Cent sei mit Verbesserung der Technik zu erwarten. Herkömmliches Benzin kostet in der Herstellung jedoch nur 31 Cent, Diesel 36 Cent je Liter, wie Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverband betonte. Zwar sei es das Gebot der Stunde, Alternativen zu Kraftstoffen auf Erdölbasis zu suchen. Aber: "Wir stehen noch am Anfang." Für jeden Investor sei bei einem Volumen von 400 bis 650 Millionen Euro für eine Großanlage Planungs- und Investitionssicherheit nötig. Picard forderte deshalb längere Förderzusagen des Staates. Die zuletzt per Gesetz festgeschriebenen Steuervorteile bis 2015 reichten nicht aus.

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