Sprit kommt aus der Brennerei

- München - Die Benzinpreise erklimmen gerade neue Rekorde. Nicht weil das Rohöl knapp wäre, sondern weil die USA ihren Mangel an geeigneten Raffinerie-Kapazitäten mit Käufen in Rotterdam ausgleichen. Doch Abhilfe ist langfristig in Sicht: 5,75 Prozent des Sprits sollen bis 2010 - steuerbefreit - auf Äckern wachsen.

<P>Neben dem Einsatz von Rapsmethylester, besser bekannt als Bio-Diesel, soll so genanntes Bioethanol zur Deckung des hohen Energiebedarfs beitragen. Das kann nicht nur aus einer speziellen Pflanze gewonnen werden, sondern aus allem, was Stärke enthält: Zuckerrüben, Kartoffeln, Weizen, Roggen . . .<BR>Das Gebräu entsteht auf sehr traditionelle Weise: Es wird gebrannt. Bioethanol ist nichts anderes als Alkohol, wie er bereits heute von Brennereigenossenschaften an die Branntweinmonopolverwaltung geliefert wird. Dieser allerdings wird zum Großteil zu Schnaps gemacht. Die Brennereien wären durchaus in der Lage, ihre Kapazitäten hochzufahren, wie Thomas von Tucher, Geschäftsführer des Verbands Bayerischer Landwirtschaftlicher Brennereien, versichert. </P><P>Franz Vielhuber, Experte für nachwachsende Rohstoffe beim Bayerischen Bauernverband, schweben aber größere Bio-Sprit-Fabriken vor, die wirtschaftlicher arbeiten können. Drei derartige Anlagen werden derzeit in Ostdeutschland gebaut. Ob sich das langfristig rechnet, ist noch nicht sicher. Alkohol wird nicht nur in Deutschland gebrannt. In Brasilien, so rechnet Vielhuber, kostet ein Liter in der Herstellung rund 25 Cent. Mit Transportkosten und rund 19 Cent Zoll wird er hier für rund 50 Cent auf den Markt gebracht. So billig, wie er in Deutschland nur bei günstigsten Bedingungen zu produzieren ist. Fällt, wie von der Welthandelsorganisation gefordert, der Zoll, dann wird aus dem einheimischen Biosprit nichts. So fordern die Bauern, diesen Zoll eisern zu verteidigen. Die hohen deutschen Kosten, so argumentieren sie, gehen auf die hohen Umwelt- und Sozialstandards zurück. Ohne Zoll wären deutsche Bauern nicht konkurrenzfähig.</P><P>Derzeit werden von landwirtschaftlichen Brennereien jährlich rund 700 000 Hektoliter Alkohol produziert. Allein die drei Großanlagen in Ostdeutschland schaffen knapp das Zehnfache. Um die EU-Vorgaben von 5,75 % 2010 zu erreichen, werden aber 15 bis 17 Millionen Hektoliter benötigt, wie Thomas von Tucher sagt.</P><P>Neben dem Vorteil geringer Abhängigkeit von den globalen Ölmärkten spricht auch der Umweltschutz für Bio-Sprit. Das CO2, das bei der Verbrennung entsteht, wurde beim Wachstum aus der Luft entnommen.</P><P>In einem Punkt muss sich der Bio-Sprit vom trinkbaren Alkohol entscheiden: Während dieser mindestens 5 Prozent Wasser enthält (und im Lauf der Zeit immer mehr davon aus der Luft ansammelt), schadet so viel Nässe den Motoren, 0,2 % Wasser sind gerade noch erlaubt.</P><P>Beim Diesel ist die Sache schon weiter gediehen. Zahlreiche Tankstellen in Bayern bieten Rapsmethylester an. Viele Autohersteller erlauben den Einsatz bereits (zum Teil nur als Beimischung).</P><P>Bereits heute werden der Dieselraps und andere Energiepflanzen auf 22 000 Hektar stillgelegten und rund 7900 Hektar nicht stillgelegten Flächen in Bayern angebaut. Daraus entstehen 83 000 Tonnen Biodiesel.</P><P>Woher soll man die zusätzlichen landwirtschaftlichen Flächen nehmen, um den Bio-Sprit-Anteil zu erhöhen? Zumindest wenn sich schwache Ernten wie im vergangenen Hitzesommer nicht häufen, dürfte das kein Problem sein. Derzeit werden in Deutschland 120 Prozent der benötigten Getreidemengen angebaut, sagt Thomas von Tucher. Die 20 Prozent über den 100 würden reichen.</P>

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