Sprit der Zukunft: Linde baut auf Wasserstoff

- München - Bis sich Investitionen auszahlen, verstreicht in der Regel einige Zeit. Das dürfte besonders für die Wasserstoff-Tankstelle gelten, die der Linde-Konzern am Montag in Lohhof bei München eröffnet hat. Denn dort werden bis auf Weiteres nur eine Handvoll Testfahrzeuge vorfahren, um zu zapfen - weil es kaum mehr wasserstoff-getriebene Vehikel gibt. Doch das wird sich irgendwann ändern, ist sich Wolfgang Reitzle sicher: "Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft", sagt der Linde-Chef.

Reitzle setzt dabei auf eine Entwicklung, die als unausweichlich gilt: Die Ölvorkommen gehen zur Neige. Vielleicht schon Mitte des Jahrhunderts geht der Welt ihr Schmierstoff aus, prophezeien Fachleute. Doch schon bevor es soweit ist, will Linde mit Wasserstoff eine Mineralöl- Alternative für Autos und Lastwagen liefern. Das Unternehmen, das demnächst mit seiner Zentrale nach München zieht, macht schon heute einen Teil seines Umsatzes mit der Produktion und dem Vertrieb von Wasserstoff.

Den benötigt etwa die petrochemische Industrie zur Entschwefelung von Öl oder die Lebensmittelbranche, um Margarine streichbar zu machen. Künftig will Linde nun auch Tankstellen mit Wasserstoff versorgen. Allerdings steckt die Geschäftsidee noch in den Kinderschuhen. Abgesehen davon, dass es mit der Lohhofer Gas-Station bundesweit erst vier öffentliche Zapfstellen gibt, fehlen noch serienreife Fahrzeuge. Zwar kurven bereits die ersten MAN-Busse im öffentlichen Nahverkehr angetrieben mit Wasserstoff durch München. Doch auf dem Pkw-Markt ist das Angebot noch null. Allerdings basteln alle großen Hersteller schon länger am Wasserstoffauto.

BMW etwa hat wiederholt angekündigt, Anfang 2008 einen serienreifen 7er herauszubringen, der mit Wasserstoff und herkömmlichem Kraftstoff fährt. Bis 2020, so haben Studien ergeben, könnten dann weltweit bis zu sechs Millionen Wasserstoff- Fahrzeuge unterwegs sein -das scheint jedoch nur auf den ersten Blick viel: Laut ADAC sind derzeit allein in Deutschland 45 Millionen Pkws angemeldet. Zudem warten noch ganz andere Probleme auf eine Lösung. So stellt Linde Wasserstoff zu 95 Prozent aus Erdgas her.

Da aber die Erdgas-Vorräte ebenso endlich sind wie Erdöl, kann dieses Verfahren keine dauerhafte Alternative sein, wie auch im Unternehmen eingeräumt wird. Mittlerweile arbeitet der Konzern deswegen schon an Verfahren, das Gas aus Biomasse zu gewinnen. Ein weiterer Minuspunkt ist, dass zur Herstellung des Wasserstoffs oft noch mehr Energie zugeführt werden muss, als bei der Vebrennung frei wird.

Dennoch zweifeln Umwelt-Experten nicht daran, dass Linde mit Wasserstoff als Kraftstoff-Alternative auf das richtige Pferd setzt. Denn das Gas ist anderen Treibstoffen wie Ethanol oder Erdgas in einem voraus: Bei der Verbrennung wird kein klimaschädliches CO2 frei. Bis sich Wasserstoff durchsetzt, wird Linde aber noch in viele Zapfsäulen investieren müssen.

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