Spritpreise klettern auf Jahreshöchststand

- München/Hamburg - Zu Beginn der Osterreisewelle sind die Kraftstoffpreise an deutschen Tankstellen auf Jahreshöchststände geklettert. Ein Liter Superbenzin kostete am Donnerstag im Bundesdurchschnitt 1,32 Euro, wie der Energie-Informationsdienst (EID) meldete. Das bisherige Hoch lag bei 1,31 Euro am 30. März.

Für Diesel wurden an der Zapfsäule rund 1,13 Euro fällig und damit so viel wie zuletzt nur Mitte Februar und Ende März. Der EID schloss nicht aus, dass die Preise im Sommer wieder das Rekordniveau von 2005 erreichen.

Eine Sprecherin des Hamburger Mineralölwirtschaftsverband (MWV) widersprach gegenüber unserer Zeitung dem immer wiederkehrenden Vorwurf, die Kraftstoffpreise würden stets zu Beginn der Schulferien nach oben gesetzt. "Den Weltmarkt interessiert es nicht, ob die Deutschen in den Urlaub fahren oder nicht", sagte sie. Die Erhöhungen hätten nichts mit den Ferien, sondern vor allem mit den Rohölpreisen zu tun.

Selbst der Autoclub ADAC, sonst schärfster Kritiker von teurem Kraftstoff, übte dieses Mal nur verhaltene Kritik an den gestiegenen Entgelten. "Grundsätzlich dreht die Mineralölwirtschaft gerne mal zur Reisezeit an Ostern und Sommer, manchmal auch an Pfingsten, an der Preisschraube", sagte ein Sprecher auf Nachfrage. "Dieses Mal muss man aber fairerweise sagen, dass Rohöl seit Wochen teurer wird."

Allerdings fiel der Preis für das schwarze Gold am Freitag an der New Yorker Rohstoffbörse um 36 Cent auf 67,58 Dollar pro Barrel. Damit lag er etwa drei Dollar unter seinem historischen Höchstwert vom 30. August 2005. Damals hatte der Tropensturm "Katrina" Förderanlagen im Golf von Mexico zerstört und damit auch die Benzinpreise in Deutschland explodieren lassen: Sie erreichten im September mit 1,46 Euro für Super eine noch die dagewesene Marke.

Der EID hält es für "nicht unwahrscheinlich", dass der Treibstoff in diesem Sommer wieder ähnlich viel kosten wird. Grund dafür könnte laut dem Informationsdienst vor allem der Öldurst der USA sein. In den vergangenen fünf Jahren hatten die Amerikaner immer wieder große Mengen Benzin aus Europa importiert, weil die eigenen Raffinerien mit der Produktion nicht nachkamen. 2006 könnte die Nachfrage nach Einschätzung des EID ebenso hoch sein. Zumal dort seit Anfang des Jahres strengere Grenzwerte für den Schwefelgehalt von Kraftstoffen gelten, die von vielen Herstellern noch nicht eingehalten werden können.

Auch der MWV sieht in dem Bedarf der USA ein Risiko für die Benzinpreise. Zudem könnten sich die politischen Spannungen in vielen Ölförderregionen weiter preistreibend auswirken. Eine Prognose zur Preisentwicklung will der Verband aber ebenso wenig abgeben wie der ADAC. Der Sprecher mahnte zur Gelassenheit: "Wir sind von den Höchstpreisen noch ein ganzes Stück weg."

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