Sprungbrett in die Festanstellung: Was man als Zeitarbeiter verdient

- Als Marc Müller sich bei einer Münchner Zeitarbeitsfirma unter Vertrag nehmen ließ, wollte er sich zu seinem knappen Honorar als freier Journalist eine Zuverdienstmöglichkeit schaffen. Sein erster Arbeitseinsatz als Leiharbeiter entsprach nicht ganz seinen Vorstellungen - drei Wochen in der Reklamationsabteilung bei der Post, aber gleich anschließend wurde er in die Presseabteilung eines Biotechnologie-Unternehmens gerufen. Zwei Wochen später stellte ihn die Firma fest an und er blieb neun Jahre lang.

Müllers Bilanz: "Mit einer guten Portion Initiative und einem klaren Bild von dem Job, den man dort ausüben möchte, kann man etwas erreichen".

Bewerbung Die Branche boomt. Schätzungsweise 300 000 bis 500 000 Menschen arbeiten für über 4000 Zeitarbeitsfirmen in Deutschland. Bei denen bewirbt man sich wie bei jeder anderen Arbeitsstelle auch. In der Regel wird der Zeitarbeiter unbefristet angestellt und ist in der gesetzlichen Kranken-, Unfall-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung Mitglied. Man soll vor allem darauf achten, dass die Zeitarbeitsfirma eine Erlaubnis der Bundesagentur für Arbeit besitzt und nach Tarifverträgen oder dem gleichen Lohn wie die Festangestellten der entleihenden Firmen bezahlt.

Arbeitsvertrag In dem Vertrag mit der Zeitarbeitsfirma gehört eine Beschreibung der zu leistendes Arbeitsverhältnisses, die Arbeitszeiten, Kündigungsfristen, Höhe der Entlohnung mit Zuschlägen, Einsatzgebiete, Urlaubstage (mindestens 24 Werktage). Ein Abwerbeverbot der Entleihfirma ist nicht statthaft.

Bezahlung Zeitarbeit ist allemal besser als Arbeitslosigkeit. "Hier erhält man immer noch mehr Lohn, als das Arbeitslosengeld ausmacht, vor allem wenn man mal Hartz IV erreicht hat", stellt der Frankfurter Rechtsanwalt Ulrich Germer fest. Allerdings verdienen Leiharbeiter meist rund 30 Prozent weniger als festangestellte Kollegen. Zeitarbeiter werden einer Honorarstufe zugeordnet. Auch während der Wartezeiten auf den nächsten Einsatz werden Zeitarbeiter entlohnt.

Chancen Ein Zeitarbeiter bleibt auf dem Arbeitsmarkt aktiv und hat einen Fuß in der Tür und für manche wird das befristete Arbeitsverhältnis tatsächlich zum Sprungbrett in die Festanstellung. Soll aus der Leiharbeit ein fester Job werden, ist gute Leistung beim Arbeitseinsatz im Entleihbetrieb die Grundvoraussetzung. Doch darüber hinaus ist die Sozialkompetenz heute fast ebenso wichtig: team- und kommunikationsfähig sollte man sich schon in seinem Zeitarbeitsjob erweisen. Außerdem kann man Kollegen und Personalverantwortliche frühzeitig wissen lassen, dass man gerne bleiben würde. Allerdings sollte man bedenken: Unternehmen, die auf Zeitarbeiter setzen, wollen oder können keine Festangestellten beschäftigen. Oft gilt ein Einstellungsstopp. Zeitarbeiter sollen als Urlaubsvertretungen einspringen oder Auftragsspitzen abfangen.

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