Staat lockt Firmen und Arbeitnehmer

Jobförderung für Menschen über 45: - Die meisten von uns werden in Zukunft länger arbeiten müssen. Heute sind weniger als 30 Prozent der 55- bis 64-Jährigen in einer sozialversicherten Beschäftigung. Das soll sich ändern: Zum 1. Mai wurden neue Förderungen für Unternehmen und Arbeitnehmer in Kraft gesetzt.

Mehr Beschäftigung für die Generation 45 plus. "Dafür müssen alle in die Hände spucken", meint Bundesarbeitsminister Franz Müntefering. Die Neuregelung des Arbeitsfördergesetzes zum 1. Mai zielt darauf ab, den Jobverlust bei Älteren zu verhindern.

Weiterbildung

Dazu soll unter anderem eine bessere Weiterbildung von älteren Beschäftigten beitragen. Ein Beispiel: Erika Santel (46, Name auf Wunsch der Betroffenen geändert) ist seit 30 Jahren Arzthelferin. Sie liebt ihren Job: "Ich habe eben gern mit Menschen zu tun, vor allem mit Älteren". Was sie allerdings nicht mag, ist die EDV. Um die Praxissoftware macht sie deshalb einen weiten Bogen. Diesen Teil der Arbeit hat bislang ihre junge Kollegin übernommen. Stress in der Praxis und Unstimmigkeiten mit dem Chef gibt es allerdings immer dann, wenn Erika Santel in der Urlaubszeit die Praxis alleine organisieren muss - ohne mit der EDV klarzukommen. Genau für solche Fälle ist die neue Weiterbildungsförderung vorgesehen. Die Arbeitsagenturen können nun für Arbeitnehmer ab 45 in Betrieben mit weniger als 250 Beschäftigten die Kosten einer Weiterbildung übernehmen - bei Fortbestehen des Arbeitsverhältnisses. Für Frau Santel käme etwa eine Anpassungsfortbildung mit den Modulen "EDV-gestützte Praxisverwaltung" und "Abrechnungswesen" in Frage. Beantragen muss sie diese Förderung bei der örtlichen Arbeitsagentur. Für andere Ältere käme etwa ein Kurs zum sicheren Umgang mit dem PC, dem Office-Paket und dem Internet infrage.

Denkbar ist auch etwa die Fortbildung einer Verkäuferin zur Verkaufsleiterin oder einer Altenpflegerin zur Wohnbereichsleiterin. Der Arbeitgeber muss zwar während der Weiterbildung den vollen Lohn und die Sozialversicherungsbeiträge aufbringen. Unter Umständen kann die Agentur für Arbeit jedoch für diese Kosten eintreten. Da auf die Förderung kein Rechtsanspruch besteht, sollten Interessenten sich mit der Antragstellung sputen. Denn hier gilt der Grundsatz: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Lohnkostenzuschüsse

Das Gleiche gilt für Lohnkostenzuschüsse, die die Bundesagentur für Arbeit Firmen zahlen kann, die Arbeitnehmer einstellen, die jenseits der 50 und arbeitslos sind. Voraussetzung für diesen Zuschuss ist, dass der Arbeitnehmer zuvor mindestens sechs Monate arbeitslos war. Der Zuschuss beträgt mindestens 30 und maximal 50 Prozent des Arbeitsentgelts. Beantragt wird er vom einstellenden Arbeitgeber - und zwar vor Abschluss des Arbeitsvertrags. Arbeitslose ab 50 sollten aber mit ihrem Arbeitsvermittler besprechen, ob sie per Lohnkostenzuschuss gefördert werden können. Ein möglicher Zuschuss ist für manche Arbeitgeber ein gutes Argument für die Einstellung.

Entgeltsicherung

Aufgebessert wurde jetzt auch die sogenannte Entgeltsicherung, die die Agentur älteren Arbeitslosen gewährt. Wer mit 50 oder 55 eine neue Stelle findet, wird dort vielfach weniger verdienen als beim bisherigen Arbeitgeber. Die Entgeltsicherung federt diesen Verlust ab - und zwar für maximal zwei Jahre. Anspruch hierauf haben Arbeitslose ab 50, die einen schlechter bezahlten Job annehmen und noch einen Restanspruch auf mindestens 120 Tage Arbeitslosengeld I haben. Den Antrag hierauf müssen die Arbeitslosen (und nicht die Arbeitgeber) stellen - und zwar vor Beginn des neuen Arbeitsverhältnisses.

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