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Vor allem im Spiel "6 aus 49" haben die Anbieter mit Verlusten zu kämpfen. Foto: Frank May

Verluste durch Netz-Konkurrenz

Staatliche Lotterie-Anbieter geraten zunehmend unter Druck

Seit langem ringen die Bundesländer um eine Reform der Kontrolle über den deutschen Glücksspielmarkt. Die Verbraucher schaffen derweil Fakten.

Berlin (dpa) - Die staatlichen Lotterieanbieter sind auf dem deutschen Glücksspielmarkt weiter unter Druck geraten.

Wie aus einer Branchenstudie hervorgeht, verlor das Lotterie-Segment in einem wachsenden Gesamtmarkt seit 2016 rund drei Prozent seiner Erträge, vor allem aufgrund von Verlusten im wichtigsten Spiel "6 aus 49". Zu diesen Ergebnissen kommt das Beratungsunternehmen Goldmedia in einer aktuellen Untersuchung.

Genaue Zahlen zum Volumen der Erträge im Lotterie-Segment wurden nicht genannt. Staatliche Lotterien würden im Internet aber durch unregulierte "Zweit-Lotterien" von EU-Wettanbietern aus Malta und Gibraltar stark unter Druck gesetzt, heißt es.

Insgesamt ist der deutsche Glücksspielmarkt laut der Studie weiter auf Wachstumskurs. Im Jahr 2017 wurde mit Glücksspielen - also Lotterien, Wetten, Spielautomaten und Spielcasinos - ein Brutto-Spielertrag von 13,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Im Vergleich zum Vorjahr sei dies ein Plus von 300 Millionen Euro, gegenüber dem Jahr 2015 sogar ein Plus von einer Milliarde Euro. Der Glücksspielmarkt profitiere von der starken Konjunktur, schreiben die Experten. Auch sei die Regulierung nach wie vor ungenügend.

Die Bundesländer ringen indes seit langem um eine Reform der Kontrolle über den Glücksspielmarkt. Es geht um einen neuen Glücksspielstaatsvertrag. Knackpunkt bei den Verhandlungen ist die Zukunft des staatlichen Lottomonopols und eine Regulierung des boomenden Glücksspiels im Internet. Die oft aus anderen EU-Ländern kommenden Sportwettenanbieter agieren in einem Graubereich: Sie unterliegen zwar keiner deutschen Regulierung, werden aber geduldet und dürfen ihre Dienstleistungen anbieten.

Im Wettsegment gibt es laut der Branchenstudie massive Zuwächse. Die Brutto-Spielerträge - das ist der Spieleinsatz abzüglich Auszahlungen - von mehr als 90 kommerziellen Anbietern stiegen um 17 Prozent. Dieser Trend werde sich fortsetzen, heißt es: Großereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland sorgten für steigende Spieleinsätze bei den Wettanbietern.

Das weiter ertragsstärkste Glücksspielsegment seien Geldspiel-Automaten mit rund 7 Milliarden Euro Brutto-Spielerträgen. In dem Bereich stünden aber größere Umbrüche an. Grund sind Mindestabstandsregelungen zwischen Spielhallen. Dies könne mittelfristig zu einer deutlichen Reduzierung der Standorte in Kommunen führen. Zwar gebe es viele Gerichtsverfahren, um die Einschränkungen zu verhindern. Das starke Wachstum der Vorjahre sei jedoch vorerst gebremst.

Der Sprecher des Vorstandes der Deutschen Automatenwirtschaft, Georg Stecker, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Mit Sorge sehen wir das Wachstum auf dem Glücksspielgrau- und Schwarzmarkt." Es gelte den Glücksspielmarkt ganzheitlich und mit gleichen Regeln für alle zu regulieren. Nur zusammenhängende Vorschriften für alle Spielformen nach einheitlichen Qualitätsmaßstäben könnten Grau- und Schwarzmärkte eindämmen, Verbraucher schützen und das legale Spiel stärken. "Es macht keinen Sinn, wenn Spielhallen nach Abstand und Größe reguliert werden, während illegal online an jedem Ort und zu jeder Zeit gespielt werden kann."

Mitteilung

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