Staatsanwalt: Hinweise auf Bandenkriminalität bei Siemens

- München ­- Je weiter sich die Ermittler bei Siemens einarbeiten, desto größere Dimensionen nimmt der Finanzskandal um vermeintliche schwarze Kassen in dem Konzern an. Nach neuen Erkenntnissen soll der Schaden zehnmal so hoch sein wie ursprünglich angenommen. Die Staatsanwaltschaft spricht von Bandenkriminalität.

Die mehrtägigen Durchsuchungen von Siemens-Geschäftsräumen sind inzwischen beendet, teilte der Münchner Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld mit. Über 36 000 Aktenordner mit aktuellem Material und Archivunterlagen wurden demnach beschlagnahmt. Diesen Datenberg wertet nun das Bayerische Landeskriminalamt aus. Doch schon jetzt zeigt sich die gewaltige kriminelle Energie hinter der Affäre.

Zwei weitere Mitarbeiter der Siemens-Kommunikationssparte Com wurden nun festgenommen und befinden sich in Untersuchungshaft. Damit sind in dieser Sparte neben zwei ehemaligen Bereichsvorständen auch je ein Mitarbeiter der internen Revision und des Rechnungswesens in die Affäre verwickelt.

Ein zuvor bestehender Haftbefehl sei gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt und ein in Österreich festgenommener Beschuldigter nach Deutschland ausgeliefert worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Damit befänden sich derzeit sechs Beschuldigte in Untersuchungshaft, deren Vernehmungen andauerten. Die Staatsanwaltschaft geht nach bisherigen Erkenntnissen davon aus, dass sich diese "zu einer Bande zusammengeschlossen haben, um fortgesetzt Untreuehandlungen zum Nachteil der Firma Siemens durch die Bildung schwarzer Kassen im Ausland zu begehen". Der derzeit ermittelte Schaden belaufe sich auf rund 200 Millionen Euro. Ursprünglich war von 20 Millionen die Rede gewesen. Was mit dem Geld passiert ist, haben die Ermittler noch nicht herausgefunden. Es lägen keine konkreten Erkenntnisse über den Verbleib dieser immensen Summe vor.

In der Affäre ist nun auch die Auftragsvergabe bei den Olympischen Spielen 2004 in Griechenland ins Zwielicht geraten. Die Staatsanwaltschaft in Athen ermittele wegen des Verdachts auf Unregelmäßigkeiten beim Auftrag für das Sicherheitssystem der Olympischen Sommerspiele, berichtete das "Handelsblatt". Auch in Italien ist die Staatsanwaltschaft einem Bericht zufolge in der Siemens-Affäre aktiv.

Eine Schlüsselfigur bei den Aufträgen für die Olympischen Spiele soll der frühere Leiter des Griechenland-Geschäfts der Sparte Telekommunikation sein. Der Manager habe den Konzern bereits im April verlassen, sagte ein Siemens-Sprecher. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" erfolgte die Trennung von dem Manager nach Beginn eines Ermittlungsverfahrens in der Schweiz wegen Geldwäsche und anderer Delikte. In einem Aufhebungsvertrag sei vereinbart worden, gegenseitig keine Ansprüche geltend zu machen. Der ehemalige Griechenland-Chef soll dem Bericht zufolge Zugriff auf Konten in der Schweiz gehabt haben, die die Fahnder dem System der schwarzen Kassen bei Siemens zurechneten. Auf diesen Konten sollen insgesamt bis zu 40 Millionen Euro gelegen haben.

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