VW: Der Staatsanwalt prüft, die Manager machen Druck

- Wolfsburg - In die Aufklärung der VW-Korruptionsaffäre kommt neue Bewegung: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig will nach eigenen Angaben "in den nächsten zwei, drei Wochen" den ehemaligen Personalvorstand Peter Hartz vernehmen. Unterdessen ist die interne Aufarbeitung des Skandals zu 85 Prozent abgeschlossen, der Abschlussbericht wird im November vorgelegt, wie der Konzern mitteilte. Auf derselben Sitzung ermächtigte das Kontrollgremium den Vorstand zum Verkauf von zwei VW-Tochtergesellschaften.

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, Hartz werde als Zeuge und nicht als Beschuldigter gehört. Schwerpunkt der Ermittlungen seien weiterhin Reisen auf Kosten von Volkswagen und ein von den ehemaligen Managern Klaus-Joachim Gebauer und Helmuth Schuster geschaffenes Firmengeflecht, das möglicherweise der Umleitung von Firmengeldern auf Privatkonten gedient habe. Als einziger Beschuldigter habe bislang der ehemalige VW-Betriebsratschef Klaus Volker ausgesagt. Es sei allerdings völlig offen, ob es am Ende bei den drei Beschuldigten bleiben werde, betonte Klaus Ziehe, Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig.

Die Korruptionsaffäre war auch Gegenstand der Sitzung des VW-Aufsichtsrates. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die die Affäre im Auftrag von Volkswagen untersucht, berichtete mündlich über die internen Untersuchungen dazu. Der Konzern hatte KPMG mit der Aufklärung beauftragt. Einzelheiten über den Zwischenbericht wurden nicht bekannt.

Der entlassene Personalmanager Gebauer hatte für den Betriebsrat Reisen und Tagungen organisiert und dessen Spesen bearbeitet. Dabei ist es möglicherweise zu Unregelmäßigkeiten gekommen, die von der Staatsanwaltschaft geprüft werden. Hauptpunkt der Vorwürfe ist jedoch die Beschuldigung, wonach Gebauer und Schuster mit einem internationalen Firmengeflecht versucht haben sollen, VW-Gelder in die eigene Tasche umzuleiten.

Im großen Umstrukturierungsprozess beim Volkswagenkonzern stellte der Aufsichtsrat zwei 100-prozentige Tochterunternehmen zur Disposition, die nichts mit dem Automobilbau zu tun haben. Der Vorstand wurde ermächtigt, alle Optionen für das IT-Systemhaus Gedas und die Autovermietung Europcar zu prüfen. Dazu gehören der Verkauf, der strategische Ausbau und der Börsengang. Ein Sprecher teilte mit, der Vorstand werde die Zukunft der beiden Firmen prüfen. Es gebe keinen konkreten Anlass etwa für einen Verkauf.

"Diese Entscheidung steht im Zusammenhang mit dem Vorhaben des Konzernvorstands, alle Unternehmensaktivitäten einer Überprüfung zu unterziehen", teilte der Aufsichtsrat mit. Der VW-Konzern will bis 2008 den Gewinn vor Steuern um 4 Milliarden Euro steigern. 2004 lag der Wert bei 1,01 Milliarden Euro. Finanzchef Hans Dieter Pötsch legte ein Renditeziel von 9 Prozent für das Unternehmen fest. Es ist unklar, ob die beiden Firmen dieses Ziel erfüllen.

Die Berliner Gedas ist mit 5000 Mitarbeitern ein Informationstechnik-Dienstleister, dessen wichtigster Kunde VW ist. 2004 betrug der Umsatz 567 Mio. Euro, das Ergebnis vor Steuern 13,7 Mio. Euro. Der 1949 gegründete Autovermieter Europcar mit Sitz in Paris ist eines der größten Unternehmen der Branche in Europa. Europcar verfügt über 220 000 Mietwagen an 2650 Stationen in 118 Ländern. 2004 wurde ein Rekordgewinn von 83,9 Mio. Euro eingefahren bei einem Umsatz von 1,17 Milliarden Euro.

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