Staatsanwalt will Esser und Funk ins Gefängnis schicken

- Düsseldorf - In ihrem Schlussplädoyer im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess hat die Staatsanwaltschaft noch einmal Härte demonstriert und Haftstrafen bis zu drei Jahren für die Angeklagten gefordert. "Vorsätzlich griffen die Angeklagten in die Taschen der Mannesmann AG und warfen Millionen zum Fenster hinaus", zog Staatsanwalt Dirk Negenborn seine Bilanz der fünfmonatigen Beweisaufnahme.

<P>Ein hohes Maß an Pflichtwidrigkeit und grober Eigennutz hätten das Handeln der Topmanager bestimmt. Der entstandene Schaden betrage mindestens 27 Millionen Euro. So schwer wiegen die Verfehlungen nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft, dass sie nicht in allen Fällen mit Bewährungsstrafen zu büßen sind.<BR><BR>Nach dem Willen der Anklagebehörde sollen der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser und sein ehemaliger Aufsichtsratschef Joachim Funk wegen Untreue in einem besonders schweren Fall tatsächlich ins Gefängnis einrücken müssen. Die geforderten Strafen für Esser (zweieinhalb Jahre) und Funk (drei Jahre) wären nicht mehr zur Bewährung auszusetzen.<BR>Für Deutsche-Bank-Chef Klaus Ackermann verlangte die Anklagebehörde zwar "nur" eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe von zwei Jahren. </P><P>Doch wäre auch eine solche Verurteilung für den Banker wohl gleichbedeutend mit dem Verlust seines Chefsessels bei Deutschlands mächtigstem Geldinstitut. Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und 10 Monaten erhalten. Die beiden anderen mitangeklagten Mannesmann-Mitarbeiter jeweils eine Bewährungsstrafe von einem Jahr.<BR><BR>Zwei Tage dauerte das Plädoyer der Staatsanwälte. Und das Bild, das sie von den Angeklagten zeichneten, war düster. Der Drahtzieher des unzulässigen Millionenregens bei Mannesmann sei Konzernchef Klaus Esser gewesen. Planend und lenkend habe er hinter den Entscheidungen der anderen gestanden, zu Unrecht Millionenprämien an aktive und ehemalige Vorstandsmitglieder der Mannesmann AG zu verteilen. Er selbst habe dabei mit 15,9 Millionen Euro den Löwenanteil kassiert. Auch Aufsichtsratschef Funk habe sich bedenkenlos über das Aktienrecht hinweggesetzt, sich mehrmals selbst begünstigt und letztlich so 5,8 Millionen Euro an unzulässigen Abfindungen kassiert.<BR><BR>Wenig schmeichelhaft war auch das Bild, dass die Ankläger von Ackermann zeichneten. Als Mannesmann-Aufsichtsratschef habe er ein "hohes Maß an Pflichtwidrigkeit" gezeigt, ohne Überprüfung unzulässige Millionenprämien für die Mitangeklagten abgenickt und objektiv den Tatbestand der Untreue in einem besonders schweren Fall erfüllt.<BR><BR>Das zehnstündige Plädoyer war der Versuch der Staatsanwaltschaft, in letzter Minute das Ruder im Prozess herumzureißen. Doch die Erfolgsaussichten scheinen gering. Zu deutlich hat die Vorsitzende Richterin, Brigitte Koppenhöfer, in einer Zwischenbilanz Ende März signalisiert, dass Freisprüche für die Angeklagten zu erwarten seien.<BR><BR>Die Verteidiger reagierten denn auch gelassen auf die Strafforderungen der Staatsanwaltschaft. Essers Anwalt Sven Thomas meinte lakonisch: "Strafanträge sind nicht mehr sinnvoll, wenn man sowieso mit einem Freispruch rechnet." Und Ackermann-Anwalt Klaus Volk kommentierte: "Die Staatsanwaltschaft hat bereits in der vergangenen Woche die Wirklichkeit verdreht. Dazu passt die Forderung nach Strafe."</P>

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