Staatsanwaltschaft: Bahn-Bericht ohne Hinweis auf Unfallursache

Fulda - Der Mängelbericht zum ICE-Unfall vom April enthält keinen Hinweis auf die Ursache des Unglücks. Ob allerdings in der Kommunikation zwischen Lokführer und Notfallmanagement etwas schief gelaufen ist, werde untersucht, teilte die Staatsanwaltschaft in Fulda mit.

Der neun Seiten lange Mängelbericht des Regierungspräsidiums Kassel (RP), der am Freitag bekanntgeworden war, hatte Defizite im Notfallmanagement und Sicherheitslücken aufgelistet. Um zu klären, warum der ICE vor dem Landrückentunnel entgleiste, habe die Staatsanwaltschaft zudem ein Sachverständigengutachten beim Eisenbahnbundesamt in Auftrag gegeben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Harry Wilke, am Montag.

Eine Überwachungskamera im Tunnel hätte nach Meinung der Staatsanwaltschaft den Unfall möglicherweise vermeiden können. Da dort aber keine Kamera vorgeschrieben ist, sei deren Fehlen auch kein Straftatbestand. Bei dem Unfall am 26. April war an der Einfahrt zum Landrückentunnel bei Fulda ein ICE in eine Schafherde gerast. 19 Menschen wurden verletzt, mehr als 20 Schafe getötet. Der Tunnel war erst nach sieben Wochen wieder beidseitig befahrbar.

Gegen den Lokführer des Rettungszuges aus Würzburg, der laut RP Kassel nicht nüchtern war, ermittele die Staatsanwaltschaft Würzburg, sagte Wilke. Nach Auskunft des hessischen Innenministeriums hat die Deutsche Bahn bislang noch nicht auf die Aufforderung von Innenminister Volker Bouffier (CDU) reagiert, mit dem RP Kassel über Verbesserungsmöglichkeiten im Sicherheitssystem der Bahn zu beraten.

Nach dem Bericht des Regierungspräsidiums waren Informationsfluss und Alarmierung der Einsatzkräfte bei der Bahn mangelhaft. Das Gutachten wirft der Bahn-Notfallleitstelle in München vor, sie habe das Ausmaß des Unfalls "heruntergespielt" und "offensichtlich in Unkenntnis der wirklichen Lage, den Einsatz des Rettungszuges aus Würzburg behindert". Weiter heißt es, ein Fahrer des Bahn- Rettungszuges sei nach Aussage eines Feuerwehrmanns angetrunken gewesen, dem zweiten Fahrer hätten notwendige Kenntnisse gefehlt.

dpa

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