+
Ex-Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff trifft im Kirch-Prozess Ex-Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer.

Kirch-Prozess

Ermittlungen auch gegen Middelhoff

  • schließen

München – Ermittlungen gegen Ex-Top-Manager: Die Staatsanwaltschaft München geht dem Verdacht nach, dass auch Ex-Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff im Kirch-Prozess nicht die Wahrheit gesagt haben könnte.

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen den früheren Bertelsmann- und Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage. Das bestätigte Peter Preuß, Sprecher der Behörde, unserer Zeitung. Es gehe um Middelhoffs Zeugenaussage im Schadenersatzprozess zwischen der Deutschen Bank und den Erben Leo Kirchs. Wegen ihrer Aussagen in diesem Verfahren vor dem Oberlandesgericht München (OLG) wird derzeit bereits gegen den Co-Vorstandschef der Deutschen Bank Jürgen Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie die Ex-Vorstände Clemens Börsig und Tessen von Heydebreck ermittelt.

Kirchs Erben fordern Schadenersatz in Milliardenhöhe von der Deutschen Bank, weil der damalige Vorstandschef Rolf Breuer 2002 in einem Fernsehinterview die Kreditwürdigkeit der Mediengruppe angezweifelt und damit ihre Pleite verursacht haben soll. Das OLG hat in einem Teilurteil festgestellt, dass die Bank grundsätzlich Schadenersatz zahlen muss. Dagegen geht die Deutsche Bank beim Bundesgerichtshof vor. Die Höhe des Schadenersatzes haben die OLG-Richter bislang nicht festgelegt, dabei soll nun ein Gutachter helfen.

Middelhoff hatte zum Inhalt eines Treffens beim damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder ausgesagt, bei dem es nach Meinung des OLG auch um die Zerschlagung der Kirch-Gruppe ging. Die Richter hatten Middelhoffs Aussage im Teilurteil als „nicht glaubwürdig“ gewertet. Es gebe keine Anhaltspunkte, „dass der Zeuge wenigstens nunmehr sein gesamtes Wissen preisgegeben hat“.

Unterdessen hat Wirtschaftsprüfer Lars Franken, der Gutachter, der die Schadenshöhe ermitteln soll, bemängelt, dass die vorgelegten Unterlagen für die Bewertung des Schadens nicht ausreichten. Das geht aus einem Schreiben an das OLG hervor, das unsere Zeitung einsehen konnte. Zudem werde die Expertise etwa doppelt so teuer wie zunächst geplant. Sie wird wohl mindestens 1,2 Millionen Euro kosten.

Philipp Vetter

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

G20: Finanzminister Scholz will für freien Handel werben
Ein freier und fairer Welthandel? Für den Bundesfinanzminister eine Notwendigkeit. "Die Wohlstandsgewinne sind für alle größer, wenn wir kooperieren", sagte Olaf Scholz …
G20: Finanzminister Scholz will für freien Handel werben
Bericht: Datenleck bei Autobauern - auch VW betroffen
New York (dpa) - Zehntausende Dokumente mit sensiblen Daten großer Autohersteller sind laut einem Zeitungsbericht vorübergehend öffentlich im Internet aufgetaucht.
Bericht: Datenleck bei Autobauern - auch VW betroffen
Über 200.000 Autokäufer nutzen Umweltprämie
Die sogenannte Umweltprämie - ein Zuschuss für Kunden beim Kauf eines sauberen Autos - sollte ein Mittel sein, um den Anteil älterer und schmutziger Dieselwagen auf den …
Über 200.000 Autokäufer nutzen Umweltprämie
Minister will Bahn bei Verkehrssteigerung unterstützen
Es gebe keinen Zweifel, "dass mir sehr viel an der Bahn liegt", sagt Verkehrsminister Scheuer. Er wolle mithelfen, dass mehr Menschen und Güter auf der Schiene befördert …
Minister will Bahn bei Verkehrssteigerung unterstützen

Kommentare