+
Die schwache Auslandsfrage lässt die Aufträge in der deutschen Industrie sinken.

Optimismus ist verflogen

Industrie kämpft mit Auftragsrückgang

Berlin - Die Zeiten, in denen sich die deutsche Industrie vor Aufträgen nicht retten konnte, sind vorbei. Die Bestellungen sind eingebrochen, der Optimismus ist verflogen.

Die Industrie muss den stärksten Auftragsrückgang seit einem Jahr verkraften. Die Eurokrise und die schwächelnde Weltkonjunktur schlagen immer stärker auf die deutsche Wirtschaft durch. Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag in Berlin mitteilte, gingen bei den Unternehmen im September 3,3 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat. „Die Abschwächung erfolgte quer durch die industriellen Bereiche“, erklärte das Ministerium. Stärker war der Rückgang zuletzt im September 2011 mit einem Minus von 3,6 Prozent.

Hauptgrund ist die schwache Auslandsnachfrage. Die Bestellungen aus der Eurozone gingen um 9,6 Prozent zurück. Insgesamt sank das Auftragsvolumen aus dem Ausland um 4,5 Prozent, aus dem Inland hingegen nur um 1,8 Prozent. Unterdurchschnittlich war allerdings auch der Umfang von Großaufträgen, die gewöhnlich stark zu Buche schlagen. Dies dürfte die Entwicklung zusätzlich belastet haben. Schon im August hatte die Industrie einen Auftragsrückgang um 0,8 Prozent verzeichnet.

„Das schwache wirtschaftliche Umfeld des Euroraums, aber auch der übrigen Weltwirtschaft schlägt sich mittlerweile deutlicher als im ersten Halbjahr bei der Nachfrage nach deutschen industriellen Erzeugnissen nieder“, erklärte das Wirtschaftsministerium. Das wirke sich indirekt auch auf die Nachfrage aus dem Inland aus. „Daher dürfte sich die Industrieproduktion in den kommenden Monaten tendenziell weiter abschwächen.“

Poser-Berufe - und was dahintersteckt

Poser-Berufe - und was dahintersteckt

Der Auftragseinbruch zieht sich den Angaben zufolgen durch fast alle Bereiche. Bei Vorleistungsgütern gingen die Bestellungen um 5,0 Prozent zurück, im wichtigen Investitionsgüterbereich um 2,4 Prozent, bei Konsumgütern um 1,7 Prozent.

Einer der wenigen Lichtblicke bleibt der Maschinenbau. Die Schlüsselbranche verzeichnete im September ein Auftragsplus 11,1 Prozent. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hatte aber erst vergangene Woche erklärt, für eine Entwarnung sei es zu früh, das niedrigere Vorjahresniveau und das Zusammentreffen zahlreicher Großaufträge aus den Nicht-Euro-Ländern verzerrten das Bild.

Die fünf Wirtschaftsweisen stellen an diesem Mittwoch in Berlin ihre neue Konjunkturprognose vor. Nach Informationen des „Handelsblattes“ (Mittwoch) ist der Sachverständigenrat zur Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung mit seinen Konjunkturerwartungen für Deutschland noch vorsichtiger als die Bundesregierung. Für kommendes Jahr erwarten die Experten lediglich 0,8 Prozent reales Wachstum, genauso viel wie dieses Jahr. Die Regierung rechnet mit einem Prozent.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

US-Notenbank: Weitere Zinserhöhung "ziemlich zeitig" möglich
Washington (dpa) - Die US-Notenbank Federal Reserve will offenbar an ihrer Politik der moderaten Zinserhöhungen auch unter der Präsidentschaft von Donald Trump …
US-Notenbank: Weitere Zinserhöhung "ziemlich zeitig" möglich
Paris: Beschäftigungszusagen bei Opel-Übernahme einhalten
Die Regierungen in Paris und Berlin waren von der geplanten Auto-Ehe von PSA und Opel überrascht. Nun pochen sie darauf, dass Abmachungen zur Beschäftigung weiter gelten.
Paris: Beschäftigungszusagen bei Opel-Übernahme einhalten
Erste Stahl-Tarifrunde ohne Ergebnis
Zum Auftakt der diesjährigen Stahl-Tarifrunde haben sich IG Metall und Arbeitgeber zunächst ohne Ergebnis getrennt. Die Verhandlungen sollen in knapp zwei Wochen …
Erste Stahl-Tarifrunde ohne Ergebnis
Opel-Verkauf an Peugeot schon Anfang März?
Paris - Der geplante Kauf des deutschen Autoherstellers Opel durch den französischen Konkurrenten PSA Peugeot Citroën soll einem Medienbericht zufolge bereits in der …
Opel-Verkauf an Peugeot schon Anfang März?

Kommentare