Stärkstes Wachstum seit vier Jahren: Doch Prognosen sind düster

- Frankfurt - Trotz eines schwungvollen Starts der deutschen Wirtschaft ins Jahr 2005 haben sich die Konjunkturaussichten für die Bundesrepublik weiter eingetrübt. Zwar stieg das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 1 Prozent und damit stärker als erwartet. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) senkte jedoch ihre Konjunkturprognose für die Weltwirtschaft. Zudem beurteilen Analysten und Anleger die Konjunkturaussichten für Deutschland pessimistischer.

Nach den Berechnungen der OECD wächst das Bruttoinlandsprodukt der 30 in der Organisation zusammengeschlossenen Industriestaaten im laufenden Jahr nur um 2,6 Prozent. Beim letzten Halbjahresausblick waren noch 2,9 Prozent Wachstum erwartet worden. Als Hauptgründe für die schwindende Zuversicht machten die Experten die schwache Wirtschaftsentwicklung in Deutschland, Italien und Japan aus. Für Deutschland wird nur ein Wachstum von 1,2 Prozent prognostiziert, für Italien gar eine Rezession. In Europa sei vor Ende des Jahres kein echter Aufschwung zu erwarten, schreibt Chefökonom Jean-Philippe Cotis.<BR><BR>Unterdessen schwindet die Konjunkturzuversicht von Analysten und institutionellen Anlegern. Die Konjunkturerwartungen sanken laut einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Mai um 6,2 Punkte deutlich. Der Indikator stehe nun bei 13,9 Punkten und liege damit klar unterhalb seines historischen Mittelwerts von 34,2 Punkten.<BR><BR>ZEW-Präsident Wolfgang Franz sagte: "Die weiter eingetrübten Konjunktureinschätzungen geben Anlass zur Sorge." Die deutsche Wirtschaft bleibe wegen der weiterhin schwachen Binnennachfrage in besonderem Maße von der Entwicklung der Weltkonjunktur abhängig. Die aktuelle Konjunktursituation in Deutschland beurteilten die Experten in diesem Monat dank des unerwartet deutlichen Wirtschaftswachstums im ersten Quartal allerdings positiver. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage stieg von Minus 73,0 Punkte auf Minus 69,3 Punkte.<BR><BR>Im ersten Vierteljahr hatte ein kräftiges Plus bei den Exporten der deutschen Wirtschaft das stärkste Quartalswachstum seit vier Jahren beschert. Das Statistische Bundesamt bestätigte erste Schätzungen, wonach das Bruttoinlandsprodukt um ein Prozent gestiegen sei.<BR><BR>Die wirtschaftliche Belebung gegenüber dem vierten Quartal 2004 sei ausschließlich vom Außenhandel getragen: "Während die Exporte zulegten (plus 2,9 Prozent), gingen die Importe zurück (minus 1,4 Prozent), so dass der Exportüberschuss ein deutliches Plus aufwies", berichteten die Statistiker. Im Inland herrschte weiter Flaute.<BR>

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