Stärkstes Wirtschaftswachstum in Deutschland seit fünf Jahren

- München/Wiesbaden - Das stärkste Wirtschaftswachstum in Deutschland seit fünf Jahren nährt die Hoffnungen auf einen tragfähigen Aufschwung. Das Statistische Bundesamt berichtete, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal um 0,9 Prozent (Vorquartal 0,7 %) stieg.

Gegenüber dem Vorjahresquartal lag das Wachstum kalenderbereinigt bei 2,4 Prozent. Für einen Aufschwung sprechen auch die jüngsten Arbeitsmarktdaten und der Anstieg der Steuereinnahmen. Wirtschaftswissenschaftler sehen nun gute Chancen für eine dauerhafte Konjunkturerholung in Deutschland. Zudem sinkt der Ölpreis wieder.

Gebhard Flaig vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München sprach von einem "stabilen Aufschwung". "Das ist ein guter Indikator dafür, dass die Konjunktur läuft", sagte er. Das Institut hält zwar weiter an seiner Jahresprognose von 1,8 Prozent Wirtschaftswachstum in diesem Jahr fest, doch Flaig sagte: "Das dürfte jetzt wohl die Untergrenze sein". Sein Kollege vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Christian Dräger, sprach derweil von einem "belastbaren, tragfähigen Aufschwung".

Vor allem aus dem Inland kamen die Wachstumsimpulse. Insbesondere die Investitionen in Bauten und in Ausrüstungen hätten zur Belebung beigetragen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hält ein Wachstum bis zwei Prozent im Gesamtjahr für denkbar. Die Außenhandelsbranche warnte indes vor allzu viel Euphorie. Der Präsident des Branchenverbandes BGA, Anton Börner, sagte, Deutschland habe wie keine andere Volkswirtschaft von der florierenden Weltwirtschaft profitiert.

Daher sei es höchste Zeit gewesen, dass die Außenhandelsimpulse zu binnenwirtschaftlichem Wachstum führten.Die bayerische Exportwirtschaft steuert nach den Erwartungen von Wirtschaftsminister Erwin Huber heuer auf den 13. Ausfuhrrekord in Folge zu. Mit Warenexporten im Wert von rund 57 Milliarden Euro sei von Januar bis Mai 2006 das Vorjahresergebnis schon um mehr als 13 Prozent übertroffen worden, sagte Huber in München. Die ausländischen Auftragseingänge im bayerischen Verarbeitenden Gewerbe hätten in den ersten fünf Monaten des Jahres durchwegs zweistellig zugenommen.

Unterdessen ist der Ölpreis angesichts der Waffenruhe im Libanon weiter gefallen. An der New Yorker Rohstoffbörse sank die Notierung für Light Sweet Crude um 63 US-Cent auf 72,90 Dollar pro Barrel (159 Liter). Zudem hatten Meldungen des Ölkonzerns BP für Entspannung gesorgt, das Ölfeld Prudhoe Bay in Alaska während dringender Reparaturarbeiten nicht komplett stillzulegen. Der Preis für einen Liter Superbenzin liegt nach Angaben des Mineralölkonzerns Esso in Deutschland im Schnitt etwa bei 1,37 Euro.

Für Diesel mussten etwa 1,17 Euro bezahlt werden. Die anziehende Konjunktur in Deutschland wird laut dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) Jobs schaffen. "Zum Jahresende, spätestens Anfang 2007 ist eine sichtbare Entlastung auf dem Arbeitsmarkt möglich", sagte IWHExperte Horst Buscher.

Doch der deutsche Arbeitsmarkt teilt sich nach Einschätzung von Fachleuten zunehmend in eine Zwei- Klassen-Gesellschaft: In jene Gruppe, die rasch wieder eine neue Stelle findet, und jene, die kaum noch eine realistische Chance auf einen neuen Arbeitsplatz hat. Nur 16 Prozent aller von den Arbeitsagenturen vermittelten Jobs gingen von Januar bis Ende Juni an Langzeitarbeitslose, 84 Prozent hingegen an Männer und Frauen, die erst vor kurzem ihre Arbeit verloren hatten.

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