Stahl für Anleger ein heißes Thema

- Frankfurt - Die Stahlbranche bleibt nach Ansicht vieler Marktbeobachter vorerst im Aufwärtstrend. Mit den Turbulenzen um die Absichten des weltgrößten Stahlkonzerns Mittal Steel zur Übernahme seines Rivalen Arcelor hat der Konsolidierungsprozess in dem Sektor seinen bisherigen Höhepunkt gefunden. Der Plan treibt die Fusionsfantasien weiter an, die Kurse der Stahlwerte profitieren. Einige Experten sehen die Entwicklung aber mit Skepsis: Das Übernahmekarussell mache den Markt "schwindelig", Belastungsfaktoren wie wachsende Kapazitäten aus China würden ausgeblendet.

"Stahl wird in den kommenden Wochen weiter ein heißes Thema sein", sagt Analyst Fabian Kania von Helaba Trust. Die Übernahme Arcelors ziehe sich voraussichtlich länger hin, als es Mittal Steel lieb sei, auch wegen des Widerstands der französischen Regierung. Thyssen-Krupp könnte bei einer Übernahme von Arcelor durch Mittal Steel doch noch beim kanadischen Stahlkonzern Dofasco zum Zuge kommen. Gleichzeitig kochen immer wieder Gerüchte hoch, wonach Thyssen-Krupp an Salzgitter oder an dem britischen Konkurrenten Corus interessiert sein könnte.

Auch wenn der deutsche Branchenprimus Übernahmepläne dementiert: "Der Umbruch geht weiter, unklar ist in welcher Konstellation", sagt Kania. So müsse sich die weltweite Nummer drei, Nippon Steel, Gedanken über die Zukunft machen. Immerhin deckten die zehn größten Stahlhersteller gerade ein Drittel des weltweiten Marktes ab.

Die Bewegung in der Branche treibt auch die deutschen Stahlaktien. Kurstreiber sind die Erwartungen der Anleger an Synergieeffekte und Effizienzsteigerungen, also milliardenschwere Einsparungen. Thyssen-Krupp-Aktien verbesserten sich seit Jahresanfang um zehn Prozent, Salzgitter-Papiere setzten mit einem Kurszuschlag von zwölf Euro die rasante Aufwärtsbewegung des Vorjahres fort.

Trotz der Übernahmefantasien im Sektor raten Experten zur Vorsicht. Der Grund: Die gute Entwicklung der Titel hält nun schon eine ganze Weile an. Analyst Nils Lesser von Merck Finck sagt: "In dem Sektor gibt es im Moment zu viele Spekulationen, die Wellen schlagen arg hoch". Er hält eine Übernahme von Salzgitter angesichts der Sperrminorität des Landes Niedersachsen für äußerst unwahrscheinlich. Lesser rät Anlegern, Thyssen-Krupp-Aktien zu verkaufen und Gewinne mitzunehmen.

Nach Meinung des Analysten blenden Investoren belastende Faktoren aus: So begegnet China seinem immensen Stahlhunger mit dem Aufbau neuer Produktionskapazitäten. Sollte diese Nachfrage abebben, könnte Stahl aus Asien als Exportartikel auf den Weltmarkt schwappen - und Druck auf die Preise ausüben.

Analyst Christian Obst von der HypoVereinsbank gewichtet die Risiken und Chancen anders. Mögliche Stahlexporte Chinas sieht er weniger problematisch: Im Gegensatz zur europäischen Konzentration auf Flachstahl - wie ihn die Autoindustrie braucht - produziere China in erster Linie Baustahl. Der Experte sieht die Kurse der Stahlwerte langfristig weiter im Aufwärtstrend.

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