Stahlfusion: Bloß nicht die Inder

- Paris - Der europäische Stahlkonzern Arcelor sucht weltweit einen Bündnispartner, um das feindliche Übernahmeangebot des indischen Stahlmagnaten Lakshmi Mittal abzuwehren. "Eine Allianz erscheint mir aus Wettbewerbsgründen in Europa schwierig, aber auf internationalem Niveau eher möglich", sagte Arcelor-Chef Guy Doll der Pariser Finanzzeitung "La Tribune".

Marktexperten halten das Auftauchen eines "Weißen Ritters", der mit einem Gegenangebot für Arcelor Mittal Steel abwehren könnte, jedoch für wenig wahrscheinlich. Am ehesten käme die Nippon Steel in Frage, mit der Arcelor ein strategisches Bündnis eingegangen ist.

Doll hat nach eigenen Angaben Nippon Steel nicht wegen Mittal angesprochen, trifft den Chef des japanischen Konzerns aber turnusmäßig am Donnerstag und Freitag. Das Arcelor-Kapital ist breit gestreut. Arcelor besitzt selbst vier Prozent und darf seinen Eigenanteil auf zehn Prozent steigern.

Mittal-Chef Lakshmi Mittal zeigte sich der "Tribune" gegenüber optimistisch, dass die Herkunftländer von Arcelor - Luxemburg, Belgien, Frankreich und Spanien - der Fusion keinen Stein in den Weg legen.

"Wohl wissend, dass Arcelor eine Gesellschaft Luxemburger Rechts ist und 85 Prozent des Kapitals an der Börse notiert sind, sehe ich nicht, wie die Staaten sich einem nach den geltenden Regeln vorgelegten Angebot entgegenstellen könnten", sagte Mittal.

Keine europäische Kultur?

Den Befürwortern des Wirtschaftspatriotismus hielt er entgegen, dass Mittal Steel seinen Rechtssitz in Rotterdam habe. "Europa mit seiner Tradition des Familienkapitalismus müsste für die Schaffung von Werten durch Familien aufgeschlossen sein", sagte Mittal. "Mit 175 000 Mitarbeitern in 14 Staaten kennen wir uns mit allen Sozialsystemen von Kasachstan bis zu den USA aus."

Doll sprach Mittal Steel dagegen ab, ein europäischer Konzern zu sein. Die Gruppe sei "hauptsächlich in Osteuropa, den USA und Südafrika" präsent. "Das ist keine Gesellschaft mit europäischer Kultur", sagte er. "Drei Viertel aller Fusionen gehen schief. Meistens aus Gründen unterschiedlicher Kultur." Luxemburg hat die EU-Übernahmerichtlinien noch nicht in geltendes Recht umgesetzt.

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