Stahlindustrie sieht 300 000 Jobs durch EU-Pläne bedroht

Essen - Gegen die EU-Pläne zur Verschärfung des Emissionshandels regt sich Widerstand in der europäischen Stahlbranche. "Für die westeuropäische Stahlindustrie wäre die Pflicht zum Kauf der Emissionsrechte eine Katastrophe", sagte der Chef des größten deutschen Stahlkochers ThyssenKrupp, Ekkehard Schulz, in einem Zeitungsinterview.

Wenn die hiesigen Stahlproduzenten die daraus entstehenden Kosten tragen müssten, könnten sie nicht mehr mit Lieferanten aus Osteuropa, Amerika und Asien konkurrieren.

Am Montag wollen Schulz und andere Spitzenvertreter der Stahlindustrie EU-Industriekommissar Günter Verheugen darlegen, dass die beabsichtigte Regelung mehr als 300 000 Arbeitsplätze in der Stahlbranche bedrohe. Der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Dieter Ameling, sagte der Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstag), bei Umsetzung der EU-Pläne seien allein in Deutschland mindestens 50 000 Arbeitsplätze in Gefahr.

Die neue EU-Direktive sieht vor, dass Stromerzeuger von 2013 an sämtliche erforderlichen CO2-Zertifikate ersteigern. Für das gesamte produzierende Gewerbe, also auch die energieintensiven Branchen wie Stahl oder Chemie, sieht der Entwurf bis zum Jahr 2020 einen stufenweisen Übergang zur vollständigen Auktionierung vor. Wer viel Kohlendioxid an die Atmosphäre abgibt, muss Verschmutzungsrechte zukaufen, wer wenig emittiert, kann die Zertifikate verkaufen. Nach Informationen der "FAZ" hat sich die Bundesregierung nun in einem Positionspapier für den Schutz energieintensiver Industrien vor schwerwiegenden Wettbewerbsverzerrungen ausgesprochen.

Ameling regte statt eines sektorübergreifenden Emissionshandels ein Branchenmodell an. Dabei solle ein Mittelwert der CO2-Emissionen aller europäischer Stahlhersteller gebildet werden. "Wer besser ist als der Durchschnitt, darf CO2-Zertifikate verkaufen, wer schlechter ist, muss zukaufen. Das wäre ein Anreiz für die Stahlproduzenten, in umweltschonendere Anlagen zu investieren."

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