Stahlseile aus München für Zoo-Puma und Leopard-Panzer

- München - Wie weit springt ein Puma? Eine Frage, die herzlich wenig mit dem Alltag eines Handwerkunternehmens zu tun hat - denkt man. Die Mitarbeiter der Carl Stahl GmbH hat die Frage lange beschäftigt. Vor acht Jahren bat der Tierpark Hellabrunn den Betrieb aus Daglfing um Hilfe: Die dicken Gitterstäbe vor den Raubtierkäfigen sollten einem Netz aus Stahlseilen weichen. "Wir haben lange experimentiert, aber die Tiere haben alles kaputt gekriegt", sagt Rupert Hutterer, München-Chef der Carl Stahl GmbH.

Die Lösung: Über die Seile läuft nun ein Niedervoltstrom. Zum Tag des Handwerks hat Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber das Unternehmen mit den ungewöhnlichen Aufträgen besucht. Hutterer führt ihn mit sichtlichem Stolz durch den Betrieb. Erst vor zwei Tagen wurde der Geschäftsleiter am Meniskus operiert, doch den Rundgang lässt er sich nicht nehmen. Er bewältigt ihn teils auf Krücken, teils im Rollstuhl.

"Ich habe ja starke Mitarbeiter, die mich schieben", sagt der Unternehmer. In der zweigeschossigen Halle werden rund 400 verschiedene Seile hergestellt. Die Firma hat sich auf Maßanfertigungen spezialisiert. 60 Beschäftigte hämmern und schweißen hier. Entsprechend laut muss Hutterer werden, um die Fragen des Wirtschaftsministers zu beantworten. An einer Maschine führt er vor, wie seine Produkte getestet werden. Das eingespannte Stahlseil muss erst acht, dann zehn Tonnen aushalten. Erst bei 18 Tonnen gibt es nach, einzelne Fäden reißen.

Die elf Lehrlinge lernen in ihrer Ausbildung auch noch, wie man ein Hanfseil dreht. Die Zukunft allerdings gehört den Kunststoffseilen. "Der Stahl als Wertstoff ist schon ausgereizt", erzählt Geschäftsführer Hutterer. Nach den Brauereien ist die Seilerei eines der ältesten Unternehmen in München. Zum ersten Mal wurde das Werk 1629 urkundlich erwähnt. Unter dem Namen "Schwaigers Witwe" wuchs der Betrieb zu einer der bedeutendsten Seilereien Süddeutschlands heran.

Seit 1994 ist die Carl Stahl GmbH aus dem schwäbischen Süßen größter Anteilseigner, 2000 hat das Daglfinger Werk auch den Namen geändert. "Ungewöhnliche Aufträge bekommen wir permanent", erzählt Hutterer. Für die Bundeswehr haben sie eine Art Schaukel entwickelt, mit der die Leopard-Panzer transportiert werden können.

Schwere Seile aus Daglfing liegen im U-Bahnnetz von Kairo, dünne Stricke kommen in der Automobilindustrie zum Einsatz. Die Stahlkonstruktion des Ausstellungspavillons im Deutschen Museum stammt ebenfalls von der Carl Stahl GmbH. "Wir sind immer auf der Suche nach Nischenmärkten", erzählt der Geschäftsführer. "Wenn wir das nicht täten, gäb es uns nicht mehr."

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