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Standort Deutschland hat trotz Reformbedarfs viel zu bieten

- Köln/München - Wie gut ist der Standort Deutschland im internationalen Vergleich? Sicher ist, dass Deutschland noch an vielen Ecken Reformen bedarf, wie andere Länder übrigens auch. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) hat eine Broschüre zusammengestellt, die anhand von 32 Kriterien - von wirtschaftlicher Freiheit bis Sozialausgaben - die wichtigen europäischen Industriestaaten sowie die USA, Kanada und Japan vergleicht.

In vielen Bereichen ist Deutschland im Mittelfeld, so zum Beispiel mit 7,5 auf einer Skala von null bis zehn der wirtschaftlichen Freiheit. Ganz oben stehen hier die USA und die Schweiz mit je 8,2, am unteren Rand Polen (6,1), Slowakei und Italien (jeweils 6,6). Bei den Arbeitskosten je Stunde liegt Gesamtdeutschland mit 26,32 Euro an vierter Stelle nach Dänemark, Norwegen und der Schweiz. Der durchschnittliche direkte Stundenlohn betrug dabei in Deutschland 14,83 und die Personalzusatzkosten 11,49 Euro. In Ostdeutschland (siehe Grafiken) liegen die Arbeitskosten unter dem europäischen Durchschnitt. "Die Industriebeschäftigung in Ostdeutschland ist von 2000 bis 2004 auch um 4,4 Prozent gestiegen", sagt Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft. Dagegen sei sie in demselben Zeitraum in Westdeutschland um 6,7 Prozent gefallen. Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass der Anteil der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe im Osten geringer ist als im Westen und dass sich der Zuwachs vor allem auf die Industrieregionen in Sachsen und Thüringen konzentriere. Dagegen gibt es in weiten Gebieten im Norden Ostdeutschlands keine Industrie.

Eher zum Nachteil des Standortes Deutschland sind nach den Grafiken des IW die hohen Lohnstückkosten, die geringe Wochen- und Jahresarbeitszeit und die Steuer- und Abgabenbelastung von Unternehmen und Spitzeneinkommen. Spitzenplätze dagegen belegt der heimische Wirtschaftsstandort beim sozialen Frieden. Nur in der Schweiz, Japan und der Slowakei gingen weniger Arbeitstage durch Streiks verloren als in Deutschland (4 Tage je 1000 Beschäftigte), während es in Spanien, Kanada und Dänemark mit 234, 186 und 171 verlorenen Arbeitstagen je 1000 Beschäftigten sehr viel mehr waren.

Sehr gut versorgt sind die Deutschen mit Infrastruktur gemessen an Autobahnkilometern und Eisenbahnstrecken je 1000 Quadratkilometern. Nur die kleinen und sehr dicht besiedelten Benelux-Staaten haben ein dichteres Verkehrswegenetz. Im Vergleich mit den großen Flächenstaaten verfügt Deutschland über das dichteste Straßen- und Schienennetz.

Bei den Kommunikationskosten zeigt sich, welchen Segen die Liberalisierung des Telefonmarktes für die Kunden hat. Liegen die Kosten für Geschäftskunden in Deutschland bei der Indexzahl 100, so müssen sie nur in Luxemburg (89), Schweden (87), Norwegen (83) und Dänemark (78) weniger bezahlen. Telefonierer in den neuen EU-Staaten müssen dagegen mehr als das doppelte zahlen: Polen (259), Slowakei (249), Tschechien (219) und Ungarn (216). "Zugute halten kann sich der Standort Deutschland außerdem seine - gemessen an den Verhältnissen in anderen Staaten - gut ausgebaute, technisch hochwertige und zuuverlässige Kommunikations-Infrastruktur", so das IW.

Bei den ausländischen Direktinvestitionen liegt Deutschland mit 369 Milliarden US-Dollar von 1995 bis 2004 an vierter Stelle der verglichenen 23 Staaten. Und auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung können sich sehen lassen: 2,55 Prozent des Bruttoinlandsproduktes investierten deutsche Unternehmen in neue Produkte und Verfahren. Nur in fünf Ländern waren diese Zukunftsausgaben höher: Schweden 4,27, Finnland 3,49, Japan 3,15, USA 2,60 und Schweiz 2,57 %.

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