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Wirkt anziehend: Während im Freistaat bis zum Jahr 2035 ein Bevölkerungswachstum von 5,4 Prozent erwartet wird, sind es in Oberbayern 11,5 Prozent.

Sie strotzen vor Wirtschaftskraft

Standort-Studie Oberbayern: Das sind die Turbo-Gemeinden

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Der Wirtschaftsraum Oberbayern glänzt weiter mit Spitzenwerten: Die Bevölkerung wächst, die Beschäftigung ist auf historischem Höchststand, die Kaufkraft liegt weit über dem Bundesschnitt. Doch es gibt Kehrseiten.

Die ersten Leser: Peter Driessen (rechts), Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, und Daniel Schöningh, Geschäftsführer des Münchner Merkur.

München – In Oberbayern lebt aktuell gut ein Drittel der Bevölkerung Bayerns. Es arbeiten 38 Prozent der bayerischen Beschäftigten zwischen Eichstätt und Garmisch-Partenkirchen, Landsberg und Altötting. Sie erwirtschaften rund 44 Prozent des bayerischen Bruttoinlandsproduktes (BIP). Bereits diese Zahlen zeigen: Oberbayern strotzt vor Wirtschaftskraft. Diese These belegte kürzlich nicht nur eine Studie über die deutschen Städte mit den größten Zukunftschancen, in der sich gleich zwei Städte in den Top drei platzierten. Die neue Broschüre „Wirtschaftsraum München – Oberbayern“ gießt die wirtschaftliche Entwicklung in Oberbayern in Zahlen.

Bevölkerung

Oberbayern ist in den vergangenen Jahren vor allem aufgrund des Zuzugs stark gewachsen. Und auch in den kommenden Jahren zeigt der Pfeil nach oben. Im Jahr 2035 sollen 11,5 Prozent mehr Menschen als heute in Oberbayern leben. Das geht aus einer Prognose des Bayerischen Landesamtes für Statistik hervor. Damit gehen die Statistiker für die Region von einem weitaus stärkeren Wachstum aus als für Bayern insgesamt (plus 5,4 Prozent). Am stärksten wächst die Bevölkerung demnach in den Landkreisen Ebersberg, Dachau und Erding. Hintergrund ist nicht nur der Zuzug in die Region, auch die Geburtenraten steigen. Die Folge sind Engpässe beim Wohnraum, der immer teurer wird. Auch die Infrastruktur bereitet Probleme. „National gesehen sind wir am oberen Limit angekommen“, sagt Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern.„Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist und bleibt eine große Herausforderung.“ An internationalen Maßstäben gemessen, sei das Preisniveau in der Region – etwa im Vergleich zu London, Paris oder US-amerikanischen Städten – allerdings noch moderat. „Bleibt die Region so attraktiv, wird der Zuzug nicht abreißen“, glaubt Driessen. „Die Preise dürften dann weiter steigen.“

Beschäftigung

Wirtschaftsmotor nicht nur für die Region Freising/Erding: Der Flughafen München.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Oberbayern hat mit über zwei Millionen zuletzt einen neuen historischen Höchststand erreicht. Am stärksten stieg dabei die Beschäftigung im Landkreis Erding (plus 8,9 Prozent). Grund dafür sei der Flughafen, sagt IHK-Chef Driessen. Die Lufthansa habe hier zuletzt viel Personal aufgebaut. „Wird ein neues Flugzeug am Flughafen München stationiert, entspricht das personell – mit Crew und Wartung – etwa der Ansiedlung eines Mittelständlers“, erläutert Driessen.

Kaufkraft

Die Kaufkraft in Oberbayern liegt um gut 21 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. München ist unter den Großstädten bundesweit mit einigem Abstand die Konsumhochburg. Die Kaufkraft je Einwohner liegt hier bei gut 30.000 Euro. Getoppt wird das allerdings vom Kreis Starnberg. Hier liegt die Kaufkraft 46 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Die Bevölkerung im Landkreis ist überdurchschnittlich wohlhabend. „Dazu kommt, dass die Arbeitslosigkeit seit Jahren sehr niedrig ist, was wiederum damit zusammenhängt, dass hier wenig Geringqualifizierte leben“, erläutert IHK-Chef Driessen.

Export

Waren im Wert von rund 183 Milliarden Euro wurden im Jahr 2016 aus Bayern exportiert. Damit haben die bayerischen Unternehmen erneut einen Exportrekord aufgestellt (plus 2,5 Prozent). Wichtigster Exportmarkt für bayerische Waren sind nach wie vor die USA – zuletzt gingen die Ausfuhren allerdings zurück. Sorgen bereitet das dem IHK-Chef nicht. Der Rückgang sei so gering, das falle bislang nicht ins Gewicht. Wenn die Steuerreform von US-Präsident Trump umgesetzt werde, könne das die Lage jedoch ändern. „Wenn die USA als Standort attraktiver werden, könnten Unternehmen ihre Produktion verlagern“, fürchtet Driessen.

Tourismus

Oberbayern – vor allem die Landeshauptstadt München – ist beliebt bei Touristen. Die Zahl der Übernachtungen ist zuletzt erneut gestiegen. Eine wichtige Rolle spielen dabei neben dem Oktoberfest laut Driessen auch große Messen, die in München stattfinden und die Millionen Menschen anziehen – so etwa die Baumesse Bauma, die alle drei Jahre stattfindet. „Auch der Inlandstourismus steigt in Zeiten, in denen die Deutschen aus Verunsicherung immer mehr klassische Reiseländer meiden. Davon profitiert die Region“, so Driessen.

Fachkräfte/Azubis

Die Rekorde am Arbeitsmarkt haben auch eine Kehrseite: Die oberbayerischen Unternehmen können offene Stellen immer öfter nicht mehr besetzen; das gilt sowohl für Ausbildungsplätze als auch für Jobs, für die Fachkräfte gesucht werden. „Das Problem nimmt zu und geht durch alle Branchen“, betont Driessen. Das Anwerben von Arbeitskräften aus anderen Teilen Deutschlands funktioniere heute nicht mehr, nachdem die Mieten im Raum München so stark gestiegen seien, gibt der IHK-Chef zu bedenken. Um die Lücken in den Belegschaften zu schließen, müsse man verschiedene Strategien verfolgen. „Es müssen unter anderem mehr Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, aber auch für ältere Menschen geschaffen werden“, so Driessen. Zudem müsse die Lebensarbeitszeit verlängert werden. „Wer länger arbeiten möchte, sollte das auch können – und es muss sich für ihn lohnen.“

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