Der Star aus dem Bezahlfernsehen

- München - Der Festsaal des Bayerischen Hofs war rausgeputzt für eine Gala. Rote Stoffbahnen an den Wänden, ein glänzendes Pult, wie es Laudatoren schmückt, auf der Bühne und eine Videoleinwand für die ergreifendsten Szenen im Hintergrund. Der Aufwand war überflüssig. Die Ein-Mann-Show, die am 22. Februar in dem Münchner Luxushotel gegeben wurde, brauchte kein schmückendes Beiwerk. Es war die Pressekonferenz zum Börsengang des Bezahlfernsehsenders Premiere. Und ihr Darsteller war wieder mal in Hochform: Georg Kofler.

Der 47-jährige Südtiroler ruderte mit den Armen, lachte, stieß die Faust in die Luft - und vor allem redete er. In diesen Minuten war zu spüren, warum Günther Jauch ihm einmal "talibanöse" Züge zuschrieb und er in der "Welt am Sonntag" ein "Menschenfänger" genannt wurde. Kofler schwor darauf, dass das Unternehmen Premiere nichts anderes als ein Erfolg sein könne. "Premiere heißt 1. sein", lautete der Slogan, mit dem das Unternehmen Kleinanleger insbesondere unter seinen Bezahlfernseh-Abonnenten köderte. Und Kofler, der acht Jahre zuvor das TV-Unternehmen Pro-Sieben-Sat1 an die Börse gebracht hatte, gelang es erneut, viele Menschen zu überzeugen.

Die mahnenden Worte der Aktionärsschützer wegen eines ziemlich hohen Emissionspreises verhallten. Ebenso die Frage, wieso ein Unternehmen an die Börse geht, das noch nie einen Euro verdient hat, aber am Ruin von Leo Kirchs Medienimperium maßgeblichen Anteil hatte. Kofler hätte zwölfmal so viele Aktien verkaufen können, wie es gab. Der erste Kurs lag bei 30,50 Euro und damit fast 15 Prozent über dem Ausgabepreis. Der größte Erfolg der Unternehmens-Geschichte. Allerdings gab es für diesen Titel auch lange kaum Konkurrenz.

Zum ersten Mal flimmerte am 28. Februar 1991 Bezahlfernsehen über deutsche Mattscheiben. Die Kirch-Gruppe hatte Premiere im Jahr zuvor mit der Filmfirma Ufa und dem französischen Konzern Canal Plus gegründet. Doch das Konzept Bezahlfernsehen hatte man sich wohl anders vorgestellt. Denn viel mehr als die Kunden bezahlten die Eigentümer. Im Jahr 2001 war der operative Verlust fast genauso hoch wie der Umsatz - rund 800 Millionen Euro. Insgesamt fraß Premiere Milliarden auf. Es ruinierte sogar das einst als unstürzbar geltende Medien-Reich von Leo Kirch. Erst dessen Zusammenbruch ermöglichte Premiere ein neues Leben - nun unter dem Regiment von Georg Kofler.

Kofler baute rund 1000 von 2400 Stellen ab

Die Insolvenz der Muttergesellschaft Kirch-Pay-TV ließ die dicksten Schulden-Fesseln von Premiere abfallen. Es blieben Verbindlichkeiten von 100 Millionen Euro, die die Gläubiger-Banken - darunter Bayerische Landesbank und HypoVereinsbank - als Überbrückung gewährten. Später wurden sie Anteilseigner des Unternehmens, das Kofler auf Kleinformat quetschte. Er baute rund 1000 der 2400 Arbeitsplätze ab. Und Premiere vertrieb nicht mehr allein die Geräte ("D-Box"), mit denen das Bezahlfernsehen empfangen werden kann. Die Abonnentenzahlen stiegen (derzeit etwa 3,3 Millionen), die Preise auch. Inzwischen glaubt Kofler, dass Premiere die kritische Masse erreicht hat. Immerhin wurde im ersten Halbjahr 2005 ein Gewinn von 3,3 Millionen Euro geschrieben. Im Gesamtjahr soll der Umsatz 1,1 Milliarden Euro übertreffen. Analysten trauen Premiere erstmals einen Jahresgewinn zu.

Den Anlegern hilft das bislang wenig. Die Warnungen der Aktionärsschützer wurden schnell bestätigt. Wenige Wochen nach dem Börsengang sackte die Aktie ab. Derzeit notiert sie bei etwa 22 Euro - über 20 Prozent unter dem Ausgabepreis vom März. Viel schwerer als Koflers euphorisch verbreitete Meldungen von steigenden Abonnentenzahlen und Gewinnen wog der Rückzug der Großinvestoren. Kaum war ihre beim Börsengang vereinbarte Haltefrist von sechs Monaten verstrichen, warfen die Beteiligungsgesellschaft Permira sowie HVB, BayernLB und die österreichische Bawag über 20 Millionen Aktien auf den Markt. Sie machten - wie schon beim Börsengang - Kasse und reduzierten damit ihre Beteiligung um drei Viertel. Für Kofler selbst gilt eine Haltefrist von einem Jahr. Er ist derzeit mit knapp 14 Prozent der größte Aktionär seines Unternehmens und präsentiert dies als Vertrauensbeweis in seine eigenen Pläne.

Diese stehen und fallen mit dem Fußball. Es gilt als Naturgesetz, dass Bezahlfernsehen nur mit exklusiven Fußballübertragungen Erfolg haben kann. Und dafür kämpft Kofler bei den Rechte-Verhandlungen. Kürzlich hat er sich die Übertragungsrechte für die Champions League ab der kommenden Saison gesichert. Und das nicht nur für das Bezahlfernsehen, sondern auch für die frei empfangbaren Kanäle. So will Kofler selbst entscheiden, wann es im frei empfangbaren Fernsehen Konkurrenz zum kostenpflichtigen Premiere-Angebot gibt.

Allerdings hat er ein Problem: Premiere hat keinen frei empfangbaren Sender. Entweder muss man einen solchen aufbauen oder kaufen. Als mögliches Übernahme-Ziel gilt das Deutsche Sportfernsehen (DSF), das der Münchner EM.TV AG gehört. Allerdings erklärte Finanzchef Michael Börnicke nun, dass "derzeit keine Gespräche" geführt würden. Alternativ gilt eine Kooperation mit dem Sportkanal Eurosport als möglich, auf dem Premiere Programmfenster einrichten könnte.

So und mit dem bald möglichen Griff nach den Bundesliga-Übertragungsrechten könnte Kofler das Bezahlfernsehen in Deutschland durchsetzen. Bislang ist das Interesse im internationalen Vergleich gering. Während hierzulande acht Prozent der Haushalte Bezahlfernsehen beziehen, sind es in Großbritannien 40 Prozent, in Frankreich 47 und in Spanien 23. Doch Kofler wäre nicht Kofler, wenn er daraus nicht eine gute Nachricht lesen könnte: Er sieht im deutschen Pay-TV-Rückstand ein umso größeres Wachstumspotenzial für Premiere.

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