Starker Antritt, zahmer Verbrauch: BMW bringt Diesel-Pkw in die USA

- München ­ Größer, breiter, höher: Obwohl man das kaum sieht, ist die neue Generation des geländegängigen BMW X5 in jede Richtung gewachsen. Doch haben die Münchner Entwickler es gleichzeitig geschafft, den Durst der Fahrzeuge zu senken. Das Auto wird auch beim Versuch, Diesel-Pkw in den USA zum Durchbruch zu verhelfen, eine Schlüsselrolle spielen. Ein Erfolg hätte gewaltige Auswirkungen auf die Weltmärkten für Treibstoffe.

Strenge Grenzen bei Stickoxiden vor allem in den wichtigen Staaten Kalifornien und New York halten die Selbstzünder bisher von den USA fern. 2008 will BMW diese Grenzen unterbieten und möglichst große Teile des erwarteten US-Pkw-Diesel-Markts erobern. Die Zeit drängt: VW/Audi und Daimler stehen mit einem Gemeinschaftsprojekt ebenfalls in den Startlöchern, Ford und GM könnten sich bei ihren europäischen Töchtern im Dieselmotorenregal bedienen.

Der X5 ist für die USA besonders wichtig. Er wird nur im dortigen Werk Spartanburg gebaut. 40 Prozent werden auch in den USA verkauft (etwa so viele wie in ganz Europa) ­ doch praktisch gibt es ihn in den USA nur als Benzin-Variante.

Hier steht vom Neuen zunächst nur die Version mit einem 355 PS starken Achtzylinder-Benzinmotor zur Verfügung. Dagegen haben die Europäer die Wahl. Denn hier geht auch der 235 PS-Diesel-Sechszylinder an den Start. Schon heute werden in Europa fast nur die ebenfalls in den USA montierten Diesel-X5 verkauft. Im Alltagsbetrieb spürt man auch die fehlenden 120 PS kaum. Nutzt man beim Benziner die Mehrleistung ernsthaft aus, dann fließt statt der genormten 12,5 Liter/100 km schon einmal das Doppelte durch den Tank.

Dank des bulligen Drehmoments bei niedrigen Drehzahlen nimmt der Diesel dagegen auch sportliche Fahrten wirtschaftlich nicht so übel. Er kommt auch dann kaum über 12 Liter auf 100 Kilometer hinaus (Norm 8,7 Liter). Das dürfte im Alltagsbetrieb zu einem größeren

Vorteil für den Diesel führen, als die Norm-Verbrauchswerte erwarten lassen. Auch das Umfeld hat sich gewandelt: Während BMW noch bei der Vorstellung des "kleinen" X3 aus Rücksicht auf die "No-Diesel-Länder" nur den Benziner vorführte, stand nun beim neuen X5 der Diesel gleichberechtigt daneben. Und insbesondere Tester aus den USA und Japan zeigten großes Interesse an dem Selbstzünder mit forschem Antritt.

Die Produkte sind da, das Kundeninteresse auch, was fehlt, ist ein Tankstellennetz. Diesel gibt es in den USA nur an schmuddeligen Stationen für Trucks. Der Durchbruch kann aber nach Einschätzung von Experten nur gelingen, wenn Diesel-Treibstoff flächendeckend an Pkw-Zapfsäulen angeboten wird.

Bereits 15 Prozent Diesel-Anteil würden nach einer Studie dazu führen, dass die USA ihre Treibsstoffversorgung weitgehend aus eigenen Raffinerie-Kapazitäten sicherstellen können. Bisher müssen sie vor besonders verbrauchsintensiven Zeiträumen etwa vor Beginn der Reisesaison monatelang die europäischen Benzin-Märkte leerkaufen. Die zu diesen Zeiten dramatisch steigenden Benzinpreise würden dann weitgehend der Vergangenheit angehören.

Dazu kommt ein zweiter Aspekt: Der immer noch spürbar höhere Wirkungsgrad von Dieselmotoren könnte den Primärenergieverbrauch der USA senken. Dies gilt als ein Weg, die Abhängigkeit von Importen zu senken. Denn anders als Europa oder Japan können die USA rund 40 Prozent ihres Rohölbedarfs aus eigenen Quellen decken.

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