Starker Euro belastet Telekom

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Bonn (dpa) - Der starke Euro belastet zunehmend die Geschäfte der Deutschen Telekom. Im ersten Halbjahr 2008 hinterließen die negativen Wechselkurseffekte mit 1,2 Milliarden Euro tiefe Spuren in der Bilanz des Konzerns.

So schrumpfte der Umsatz des größten europäischen Telekomkonzerns um 3 Prozent auf 30,1 Milliarden Euro. Vorstandschef Ren Obermann sprach am Donnerstag in Bonn dennoch von guten Finanzzahlen, die er vor allem auf Maßnahmen zur Kostensenkung zurückführte. So lag das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) mit 9,5 Milliarden Euro nur leicht unter dem Vorjahreswert. Beim Konzernüberschuss erzielte die Telekom mit 1,4 Milliarden Euro sogar ein Plus von 22 Prozent.

In der Spitzelaffäre bekräftige Obermann indes die Absicht des Unternehmens, die Vorgänge rückhaltlos aufzuklären. Bei allen Betroffenen werde er sich entschuldigen, wenn klar ist, "wem konkret welches Unrecht geschehen ist". Dazu brauche das Unternehmen die Ergebnisse der staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen. Wann diese vorliegen werden, ist weiterhin nicht absehbar. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bonn sagte lediglich, die Ermittlungen dauerten an.

Vor knapp drei Monaten hatte die Telekom eingeräumt, dass in den Jahren 2005 und 2006 Verbindungsdaten zwischen Aufsichtsräten und Journalisten missbräuchlich überprüft worden seien. Ziel dieser Operation war es, undichte Stellen im Konzern ausfindig zu machen. Bei der Staatsanwaltschaft erstattet die Telekom Anzeige. Ins Fadenkreuz der Ermittler sind vor allem der frühere Telekom- Vorstand Kai-Uwe Ricke und Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel geraten.

Während die Geschäfte der Telekom-Mobilfunktöchter in Zentral- und Osteuropa brummen, ist der langjährige Wachstumsmotor T-Mobile USA leicht ins Stottern geraten. Auf Dollarbasis habe sich die Gesellschaft sowohl beim Umsatz wie auch beim operativen Ergebnis zwar weiterhin positiv entwickelt, sagte Obermann. In Euro-Zahlen waren die Erlöse dagegen rückläufig und das EBITDA nur noch leicht im Plus. In diesem Zusammenhang verwies Obermann auf die große Bedeutung der Staaten in Mittel- und Osteuropa für das Mobilfunk- und Festnetzgeschäft der Telekom.

Nach dem Erwerb der griechischen OTE sieht sich der Bonner Riese in der südosteuropäischen Region glänzend aufgestellt. Nur im Kosovo und Slowenien sei das Unternehmen bislang nicht vertreten. Im Mobilfunk erwirtschafteten die Bonner im ersten Halbjahr in der Region beim EBITDA einen Zuwachs von 15,5 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Nach Abschluss der OTE-Transaktion, die Obermann für die zweite Jahreshälfte erwartet, werde die Telekom "deutlich an Ertragskraft zulegen und die Bedeutung dieser Region für den Konzern ... erheblich steigen".

Die Anschlussverluste bei der Festnetzsparte T-Home halten unterdessen an. Im ersten Halbjahr kehrten 1,2 Millionen Kunden der Telekom den Rücken. Den Marktanteil der Telekom bei den klassischen Telefonanschlüssen bezifferte Obermann aber weiterhin auf eine Größe zwischen 75 und 80 Prozent. Im Breitbandgeschäft habe T-Home die Marktführerschaft gehalten. Mehr als 40 Prozent aller Neukunden holten sich ihren DSL-Anschluss beim Bonner Konzern. Bis zum Jahresende peilt die Telekom rund 45 Prozent an. Den rückläufigen Trend beim Umsatz habe der Konzern inzwischen abbremsen können. Ende Juni beschäftigte die Telekom im Inland rund 140 000 Mitarbeiter. Das waren rund 11 500 weniger als ein Jahr zuvor.

Nachdrücklich forderte Obermann einen Abbau der Regulierung auf nationaler und EU-Ebene, die er für investitionsfeindlich hält. Nur dann werde es große Investitionen für schnelle Netze geben, die alle forderten. Das Geschäft sei inzwischen extrem wettbewerbsintensiv. Obermann: "Die Regulierung muss das endlich zur Kenntnis nehmen".

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