Starker Euro und hohe Ölpreise sorgen für Abkühlen der Konjunktur

Hamburg - Der starke Euro und die hohen Ölpreise lassen die deutsche Konjunktur nach Einschätzung von Wirtschaftsforschern deutlich abkühlen. Weil der Exportmotor nicht mehr so hochtourig läuft, werde sich das Wachstum von 2,6 Prozent in diesem Jahr bis 2009 auf 1,6 Prozent verlangsamen

Das sagte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem am Donnerstag in Paris veröffentlichten Wirtschaftsausblick voraus. Der Aufschwung bleibe aber intakt. Die Binnennachfrage steige und die Arbeitslosigkeit sinke weiter.

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) senkte am Donnerstag seine Wachstumsprognose für das kommende Jahr deutlich. Das reale Bruttoinlandsprodukt werde 2008 in Deutschland lediglich um etwa 1,7 Prozent zulegen, teilten die Forscher in Essen mit. In ihrer September-Schätzung waren die Ökonomen noch von einer um 0,6 Prozentpunkte höheren Wachstumsrate ausgegangen.

Einer der Hauptgründe für die Abkühlung der Konjunktur sei die anhaltende Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Das verteuert die Exporte deutscher Firmen. Auch die anziehenden Öl- und Rohstoffpreise sowie die dadurch geschmälerten Realeinkommen seien für den Dämpfer verantwortlich. "Die Abschwächung der Konjunktur bedeutet noch nicht das Ende des gegenwärtigen Aufschwungs, sondern markiert nur ein Zwischentief", hieß es.

Nach Einschätzung des RWI wird die Arbeitslosigkeit weiter sinken, wenngleich etwas langsamer als 2007. Ende kommenden Jahres dürften demnach saisonbereinigt noch etwa 3,4 Millionen Arbeitslose registriert sein. Diese Einschätzung teilt auch die OECD. Dank der vergangenen Reformen wird die nach OECD-Kriterien berechnete Erwerbslosenquote von 6,4 Prozent (2007) über 5,7 Prozent im kommenden Jahr auf 5,6 Prozent 2009 zurückgehen.

Auf die deutsche Statistik umgerechnet bedeute dies 8,3 Prozent im kommenden Jahr und 8,2 Prozent 2009, sagte OECD-Ökonom Felix Hüfner. "Angesichts der zu erwartenden Engpässe beim Angebot qualifizierter Arbeitskräfte sollte die Regierung von jeglichen Maßnahmen absehen, die die Anreize zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit schwächen könnten."

Auch nach der OECD-Prognose wird der starke Euro die Exporte und Investitionen bremsen und die Einfuhren in die Höhe treiben. Diese Ausfälle würden jedoch von der erstarkenden Binnennachfrage teilweise ausgeglichen. "Wir glauben, dass der private Konsum anspringt und wesentlicher Wachstumsfaktor sein wird", sagte Hüfner.

Die Norddeutsche Landesbank NORD/LB geht davon aus, dass der Höhenflug des Euro im nächsten Jahr ein Ende findet. Aufgrund der Rezessionsängste in den USA dürfte der Euro-Dollar-Kurs in naher Zukunft zwar die Schwelle von 1,50 überschreiten. Nach der Prognose der NORD/LB-Analysten wird der Wechselkurs in sechs Monaten jedoch auf etwa 1,42 sinken. Für das kommende Jahr rechnen die Banker mit einem Wirtschaftswachstum von etwas unter zwei Prozent. In diesem Jahr werde voraussichtlich noch ein Zuwachs von 2,4 Prozent erzielt.

Bei den öffentlichen Finanzen erwarten die Wissenschaftler eine Fortsetzung des positiven Trends. So dürfte der Staatshaushalt Ende 2008 annähernd ausgeglichen sein, hieß es beim RWI. Die OECD erwartet für 2009 sogar einen effektiven Überschuss von 0,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), wenn keine weiteren Ausgaben beschlossen würden.

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