Starker Euro: Gut für Reisende, schlecht für Exportwirtschaft

- München/Frankfurt - Der Euro strebt schier unaufhaltsam seinem Allzeithoch entgegen. Verbraucher bekommen den Höhenflug der Gemeinschaftswährung auf unterschiedliche Weise zu spüren. In erster Linie können sich Urlauber in Dollar-Ländern darüber freuen.

Denn sie haben einfach mehr Scheine der fremden Währung in der Tasche, wie Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale, erklärt. So kann vor Ort schlicht mehr gekauft werden.

Wer einen Trip nach Amerika machen möchte, kann allerdings nicht darauf hoffen, dass die Reisekosten dorthin nun schlagartig billiger werden. "Die Katalogpreise stehen ja schon lange fest", betont Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband. Wer in der nächsten Zeit nach Amerika fliegt, kann nach ihren Worten dennoch von der Stärke der europäischen Währung profitieren. "Häufig ist ja in Pauschalangeboten zum Beispiel das Frühstück nicht inbegriffen. Da kann man schon sparen", sagt Zeuch. Denn traditionell seien in den Vereinigten Staaten die Urlaubsnebenkosten nicht gerade gering.

Ob sich der Euro-Höhenflug bei den künftigen Reisepreisen niederschlagen könnte, müsse sich zeigen. "Hier muss man abwarten, wie sich der Dollar entwickelt." Neben Nord- sowie Mittel- und Südamerika machen sich laut DRV ein starker Euro und zugleich schwacher Dollar auch in Asien, speziell in Thailand, bemerkbar.

Und auch hier zu Lande können Kunden angesichts des starken Euro profitieren: "Importware dürfte billiger zu haben sein", erklärt Finanzfachmann Nauhauser. Allerdings müsste auch der Einzelhandel die geringeren Einkaufspreise unmittelbar an die Verbraucher weitergeben. Gleiches gilt für die Energie- und Kraftstoffpreise. "Die letzten Preiserhöhungen am Ölmarkt kommen gemildert bei uns an", meint Nauhauser.

"Es gibt keinen Grund, in Panik zu verfallen."

Jean-Claude Juncker

Die Kehrseite der Medaille bekommen aber die hiesigen exportierenden Unternehmen zu spüren. Denn für Waren mit einem festen Euro-Preis muss in Dollar mehr bezahlt werden. Das könnte sich auf die Nachfrage auswirken.

Der Vorsitzende der Eurogruppe, der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker, hat indes vor übertriebenen Sorgen wegen der aktuellen Euro-Stärke gewarnt. "Der Euro hat sich nicht brutal nach oben bewegt. Er ist graduell angewachsen", sagte Juncker am Freitag zum Auftakt eines EU-Finanzministertreffens in Berlin. "Es gibt keinen Grund, in Panik zu verfallen." Auf die Frage, ob er mit Überreaktionen der Finanzmärkte rechnet, wenn der Eurokurs neue Rekordhöhen erreicht, sagte er: "Die Märkte sind schlecht beraten, wenn sie auf einseitige Wetten setzen." Die Gemeinschaftswährung hält sich derzeit stabil über der Marke von 1,36 Dollar und ist nur noch knapp von ihrem Höchstkurs von 1,3666 Dollar von Ende Dezember 2004 entfernt.

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