Starker Yen: Billigzins-Spekulanten laufen in die Wechselkurs-Falle

- München - Steht die japanische Krise vor einem Wendepunkt? Die Entwicklung der Devisenkurse könnte ein Indiz dafür sein. Immerhin hat in den letzten Wochen nicht nur der Dollar wegen positiver US-Wirtschaftsaussichten Boden gut gemacht. Auch der Yen, seit 2001 im Abwärtstrend, hat deutlich zugelegt. Trotz einer aktuellen Korrektur sehen Experten eine Wende zugunsten des Geldes aus Fernost.

<P>Probleme bei Japan-Krediten</P><P>Das könnte vor allem für Menschen zum Problem werden, die ihre Immobilienfinanzierung unter Ausnutzung der niedrigen Zinsen auf Yen-Basis organisierten, sagt Martin Hüfner, Chefvolkswirt der HypoVereinsbank. Viele Banker wurden belächelt, als sie Kunden vor den Währungsrisiken bei solchen Finanzierungsgeschäften warnten. Vor allem aus Österreich und<BR></P><P>Deutschland sprangen viele Kunden auf den Billig-Zins-Zug nach Fernost auf. Bei steigendem Yen ist in Euro weit mehr zurückzuzahlen als geplant. "Jetzt werden viele nervös", sagt Hüfner. Wer noch längere Laufzeiten aussitzen kann, muss sich dabei weniger Sorgen machen. Wie es mit der Währung weitergeht, lässt sich kaum prognostizieren. Doch rechnen Experten zunächst mit einem weiter erstarkenden Yen.<BR><BR>Bereits bei rund 130 sei der Aufwärtstrend des Euro gegenüber dem Yen gebrochen worden, sagt Reza Darius Montassé´r, Leiter der technischen Analyse beim Münchner Bankhaus Reuschel, der darin Verkaufssignale für den Euro sieht. Bessere Wachstumsaussichten in Fernost führt Montassé´r als eine Ursache an, aber auch die traditionell engere Bindung des Yen an den Dollar. Er rechnet damit, dass die japanische Währung im Gleichschritt mit dem US-Dollar nach oben wandert.<BR><BR>Hüfner, der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, teilt diese Meinung nicht, kommt aber zu einem ähnlichen Ergebnis. Er erwartet, dass der Euro wieder zulegt, der Yen aber gegenüber dem Dollar noch stärker an Wert gewinnt. Auch bei diesem Szenario wäre der Yen gegenüber dem Euro aufgewertet.<BR><BR>Ein gewaltiger Schuldenberg</P><P>Die volkswirtschaftlichen Daten machen Japan Hoffnung. Im internationalen Vergleich hat das Land positiv überrascht. Nach guten  Zahlen im ersten Halbjahr wird das von der Regierung in Tokio mit 0,2 % prognostizierte Wachstum für 2003 von den meisten Experten höher angesetzt. Diese gehen nun von rund 1 % aus.<BR><BR>Dabei sind die Staatsschulden ein Problem. Um rund 7 % des Bruttoinlandsprodukts wächst 2003 die öffentliche Verschuldung in Japan. So versucht die Regierung, flankiert von der Notenbank, die Deflation zu bekämpfen. Am Ende steht ein Schuldenberg, der auch im Boom schwer abzutragen sein wird. Von 180 % des Bruttoinlandsprodukts gehen Experten der Bayerischen Landesbank für 2010 aus - das Dreifache dessen, was die EU den Euro-Ländern zubilligt. Doch sehen Experten keine Alternative.<BR><BR>Interessant könnte in nächster Zeit der chinesische Renminbi (Volksgeld) werden. Noch ist die Währung des bevölkerungsreichsten Landes der Welt fest an den Dollar gebunden. Doch die meisten Experten halten den Renminbi für deutlich unterbewertet. Trotz der positiven Auswirkungen für den Export mehren sich Stimmen, die erwarten, dass die Regierung in Peking an einer Aufwertung nicht vorbeikommt - vor allem, wenn der Yen gegenüber dem Dollar weiter zulegt.<BR><BR></P>

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