Zum Start ins Berufsleben: Rechtsprechung für Lehrlinge

- Für viele junge Menschen beginnt demnächst der Ernst des Lebens. Stehen kein Studium, Wehr- oder Zivildienst an, treten die Schulabgänger eine Ausbildung an - sofern sie eine Lehrstelle gefunden haben. Aber selbst wenn diese Hürde genommen wurde, ist die Bahn nicht immer frei, wie folgende Urteile zeigen:

<P>Verbotene Spiele<BR>Verbotene Computerspiele können für einen Azubi das "Aus" bedeuten. Setzt er sich über ein ausdrückliches Verbot hinweg und installiert er auf dem Rechner seines Arbeitgebers ein verbotenes Computerspiel, so kann ihm gekündigt werden. Fristlos darf die Entlassung aber nur dann ausgesprochen werden, wenn "wegen der Schwere des Verstoßes eine positive Prognose für das Arbeitsverhältnis" auszuschließen ist.<BR>Arbeitsgericht Hildesheim<BR>Aktenzeichen: 3 Ca 261/01</P><P>Übernahme gefährdet<BR>Wenn es in der Firma eng wird, muss nicht jeder übernommen werden. Sieht ein Tarifvertrag vor, dass Auszubildende grundsätzlich zu übernehmen sind, es sei denn, es lägen "akute Beschäftigungsprobleme" vor, so muss der Unternehmer den Azubi nicht übernehmen, wenn im Betrieb Entlassungen erforderlich sind oder zumindest drohen.<BR>Landesarbeitsgericht Hamm<BR>Aktenzeichen: 10 Sa 674/02</P><P>Rausschmiss I<BR>Der Arbeitgeber muss den Rausschmiss eines Azubis ausführlich begründen. Weist er im Kündigungsschreiben nur pauschal auf ein Fehlverhalten und eine deshalb ausgesprochene Abmahnung hin, so ist die Kündigung unwirksam. Laut den Richtern muss auf die jeweiligen Vorgänge eingegangen werden.<BR>Arbeitsgericht Frankfurt am Main<BR>Aktenzeichen: 1 Ca 6916/03</P><P>Rausschmiss II<BR>Ein Arbeitgeber darf einem Auszubildenden _ hier: im 3. Lehrjahr _ nur dann fristlos kündigen, wenn dessen Leistung "so katastrophal schlecht ist, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit ein erfolgreicher Abschluss der Ausbildung nicht mehr zu erwarten ist und gemessen daran die Mühewaltung des Ausbilders in keinem zumutbaren Verhältnis zu den Bemühungen des Auszubildenden" stehen.<BR>Landesarbeitsgericht Köln<BR>Aktenzeichen: 7 Sa 852/02</P><P>Staatliche Beihilfe<BR>Berufsausbildungsbeihilfe müssen die Arbeitsagenturen bei auswärtiger Unterbringung eines Auszubildenden nur dann zahlen, wenn die Ausbildungsstätte von der Wohnung der Eltern aus in angemessener Zeit erreichbar wäre, aber "schwerwiegende soziale Gründe" dagegen sprechen, dass das Kind bei seinen Eltern lebt. Dabei kommt es nicht nur auf die Sicht des Kindes, sondern auch die der Eltern an.<BR>Bundessozialgericht<BR>Aktenzeichen: B 7 AL 38/03 R</P><P>Bezahlte Schule<BR>Zwar hat ein Arbeitgeber seine Auszubildenden für die Teilnahme am Berufsschulunterricht bezahlt freizustellen. Daraus folgt aber nicht, dass er auch verpflichtet wäre, dem Azubi zusätzlich die Kosten des Berufsschulbesuchs zu erstatten. In dem Fall ging es um den Blockunterricht in einem auswärtigen Internat.<BR>Bundesarbeitsgericht<BR>Aktenzeichen: 6 AZR 486/00</P><P>Kosten Privatschule<BR>Zwar haben Auszubildende die Kosten zu tragen, die ihnen im Zusammenhang mit dem Besuch der Berufsschule entstehen, wie etwa die Fahrkosten. Das gilt jedoch nicht, wenn ein Azubi auf Veranlassung seines Arbeitgebers anstelle der staatlichen Berufsschule eine andere Bildungseinrichtung besucht. Hierfür ist der Arbeitgeber zuständig.<BR>Bundesarbeitsgericht<BR>Aktenzeichen: 6 AZR 381/00</P><P>Gesellenstück behalten<BR>Auch wenn für das Gesellenstück eines Schreinerlehrlings die Materialkosten (hier: rund 1000 Euro) vom Ausbilder bezahlt wurden, darf der Geselle das Möbel-Stück (hier: ein Sideboard mit einem Wert von rund 3500 Euro) behalten. Das Eigentum steht ihm "ohne Einschränkung" zu.<BR>Landesarbeitsgericht Köln<BR>Aktenzeichen: 10 Sa 430/01</P><P>Unbezahlte Mehrarbeit<BR>Ein Auszubildender kann keine Bezahlung seiner Mehrarbeit verlangen, wenn er _ trotz einer Regelung im Manteltarifvertrag, die 37,5 Stunden wöchentlich für Auszubildende vorschreibt - tatsächlich 40 Stunden pro Woche leistet (4 mal 8 Stunden plus 1 Berufsschultag, der auch 8 Stunden dauerte).<BR>Bundesarbeitsgericht<BR>Aktenzeichen: 6 AZR 537/01</P><P>Probezeiten<BR>Wechselt eine Auszubildende nach einem Jahr Lehrzeit den Arbeitgeber, so kann der neue Chef verlangen, ebenfalls eine Probezeit von drei Monaten "vorzuschalten". Wird ihr in dieser Zeit gekündigt, kann sie nicht dagegen angehen, weil der neue Arbeitgeber sich auch ein Bild von den Fähigkeiten des Lehrlings machen können muss.<BR>Arbeitsgericht Rheinland-Pfalz<BR>Aktenzeichen: 9 Sa 1507/00</P>

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