Start der Gesundheitskarte droht wegen Uneinigkeit Verzögerung

- München - Die für 2006 geplante elektronische Gesundheitskarte für über 80 Millionen Bürger in Deutschland ist ein Riesengeschäft für die beteiligten Firmen. Allein die Investitionen zur Einführung werden auf 18 Milliarden Euro geschätzt. Doch 14 Tage vor dem vereinbarten Termin, an dem die Spezifizierungen für die Karte (das, was auf ihr gespeichert wird oder nicht) festgelegt werden sollen, gibt es noch keine Einigung. Hinter verschlossenen Türen wird noch heftig gestritten.

<P>Die Einführung der Gesundheitskarte sei "wesentlich komplexer als das Mautprojekt", hatte Willi Berchtold, Vorsitzender der Geschäftsführung von Giesecke & Devrient, gewarnt. Der Münchner Chipkartenspezialist war schon an der Einführung elektronischer Karten für 24 Millionen Taiwanesen beteiligt und wird aller Wahrscheinlichkeit auch Aufträge für das deutsche Mammutprojekt bekommen. Berchtold sagte gerade erst dem "Handelsblatt": "Wenn das Arbeits- und Entscheidungstempo der letzten neun Monate so weitergefahren wird, kann der Januar 2006 nicht gehalten werden." </P><P>Gestern, am Tag dieser Veröffentlichung, gab Giesecke & Devrient überraschend bekannt, dass der 54-jährige Berchtold das Unternehmen schon am 31. Oktober "im besten Einvernehmen" verlassen werde. Er wolle sich nach sechs Jahren an der G & D-Spitze einer neuen beruflichen Aufgabe widmen. Einen Nachfolger gebe es noch nicht, die Geschäftsführer Walter Schlebusch und Peter Zattler leiten das Unternehmen kommissarisch. Ein Zusammenhang mit dem Ärger um die Gesundheitskarte bestehe nicht. "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun", versicherte Sprecherin Andrea Bockholt. <BR><BR>Sowohl bei Giesecke & Devrient als auch bei Infineon - der Münchner Chiphersteller berät derzeit die Arbeitsgemeinschaft "e-health" - geht man davon aus, dass das Projekt technisch im Zeitplan zu stemmen sei, wenn die Spezifikationen denn pünktlich zum Monatsende stehen. Im Haus von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt findet in wenigen Tagen, am 22. September, ein Treffen mit Vertretern der Krankenkassen, der Ärzteschaft und der Apotheker statt. Neben Details der Finanzierung ist vor allem umstritten, welche Daten auf der Karte und welche nur auf dem Server gespeichert werden. Die Krankenkassen setzten sich dem Vernehmen nach für eine Online-Lösung ein. "Wir wollen beides", sagte Elmar Esser, Pressesprecher der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Ärzte, Apotheker, der Datenschutzbeauftragte seien dafür, beide Modelle zu testen. Allein die ungeheuren Datenmengen würden es laut Esser erfordern, dass der Arzt nicht nur online über den Server, sondern auch über die Karte Patientendaten einsehen könne. Pro Jahr gebe es 500 Millionen Arztbesuche, 800 Millionen Rezepte, 20 Millionen Krankenhausaufenthalte und 700 Millionen ohne Rezept gekaufte Arzneien - Daten, die der zentrale Server immer verfügbar haben müsste.<BR><BR>"Die Selbstverwaltungen - (Krankenkassen, Apothekervereinigung und Ärzteschaft) haben zugesagt, sich bis zum 30. September 2004 zu einigen", sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. "Wir gehen davon aus, dass das bei gutem Willen auch möglich ist." Und was die Finanzierung anbetrifft, sagte die Sprecherin, würden die Effizienzgewinne die Investitionen schnell armortisieren.<BR><BR><BR></P>

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