Startbahn-Streit spaltet die Kirche

- Hamburg - Ist der Bau von 589 Metern Asphaltpiste wirklich von existenzieller Bedeutung für die Entwicklung einer Millionenstadt? Der Streit um die Verlängerung der Landebahn im Airbus-Werk Hamburg-Finkenwerder spaltet nun auch die evangelische Kirche. Nachdem die Kirchengemeinde im nahen Neuenfelde, die zu den Gegnern der Landebahn gehört, die Gespräche um eine einvernehmliche Lösung abgebrochen hat, bemüht sich die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen, ihre Schäfchen wieder einzufangen. Die Gespräche sollen weitergehen.

<P>Unterdessen hat Airbus den Streit entschärft. Der europäische Flugzeugbauer hat der Stadt deutlich mehr Zeit für die Durchsetzung der Landebahnverlängerung gegeben. Der Konzern erklärte sich bereit, die Frist für Investitionsentscheidungen in Hamburg bis 2006 zu verlängern. Damit bleibt genügend Zeit für Enteignungsverfahren.<BR><BR>Bisher hatte Airbus angekündigt, noch im laufenden Monat eine Entscheidung über den Bau des Auslieferungszentrums für den Riesen-Airbus A380 zu treffen, wobei dann Toulouse Hamburg ausgestochen hätte. Nun sollen die Auslieferungsarbeiten nur vorübergehend an den Konkurrenzstandort verlagert werden. Damit sei eine "erhebliche Mehrbelastung" verbunden, sagte Airbus-Deutschland-Chef Gerhard Puttfarcken.<BR><BR>Bürgermeister Ole von Beust kündigte an, den vom Oberverwaltungsgericht gekippten Planfeststellungsbeschluss nachzubessern. Durch die Weigerung der verbliebenen drei Grundstückseigentümer - darunter die Kirchengemeinde des Ortes Neuenfelde - die für den Bau benötigten Flächen zu verkaufen, "entsteht für Airbus eine Planungsunsicherheit, die für ein Wirtschaftsunternehmen eigentlich nicht tragbar ist", sagte Beust.<BR><BR>Vom Abbruch der Gespräche durch den Kirchenvorstand zeigte er sich "tief enttäuscht". Eine friedliche Einigung sei aber noch immer möglich.<BR><BR>Wirtschaftssenator Gunnar Uldall äußerte sich zuversichtlich, dass der Planfeststellungsbeschluss im zweiten Anlauf die juristischen Hürden passiert. Die Voraussetzungen hätten sich geändert, da mittlerweile nur noch wenige Grundbesitzer übrig seien.<BR><BR>Der Senat rechnet damit, dass der neue Planfeststellungsbeschluss im kommenden Frühjahr steht und dass Anfang 2006 mit dem Bau der Landebahn-Verlängerung begonnen werden kann. Diese Termine stimmten mit dem neuen Airbus-Zeitplan überein, sagte Uldall. "Airbus sichert Hamburg die volle Unterstützung ohne jede Abstriche zu", sagte Puttfarcken. Sein Unternehmen sei - "abgestimmt bis in die höchste Führungsspitze" - bereit, den Mehraufwand in Kauf zu nehmen.<BR><BR>Bei dem geplanten Auslieferungszentrum geht es zunächst um 100 Arbeitsplätze. Laut Airbus ist die längere Landebahn, die durch Obstplantagen bis an den Rand des Ortes Neuenfelde reichen soll, für die schweren A380-Versionen notwendig. Die außergerichtlichen Verhandlungen über den Verkauf der strittigen Grundstücke waren am Mittwoch von der Kirchengemeinde Neuenfelde abgebrochen worden.<BR><BR>Das Oberverwaltungsgericht hatte im August einen Baustopp für die Landebahn bestätigt. Die vom Senat geplante Enteignung war damit gescheitert. Seitdem hat der Senat die Geldangebote an die klagenden Eigentümer deutlich erhöht. Während Airbus dem Dorf außerdem einen gemeinnützigen Fonds in Höhe von drei Millionen Euro anbot, sicherte Beust dem Ort und den dort ansässigen Obstbaubetrieben eine Bestandsgarantie zu.</P>

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