EU startet Razzien bei Energie-Riesen

- Brüssel/Bonn -­ Die deutschen Stromkonzerne sind wegen möglicher illegaler Absprachen erneut ins Fadenkreuz der EU-Wettbewerbsbehörde geraten. In einer koordinierten Aktion wurden am Dienstag die Geschäftsräume der Versorger Eon, RWE und EnBW sowie einiger ihrer Tochterfirmen durchsucht.

Die Unternehmen bestätigten auf Anfrage die Durchsuchung, wollten sich aber mit Hinweis auf ein laufendes Verfahren nicht zu Details äußern. "Wir unterstützen die Kommission in ihrer Tätigkeit", sagte ein Sprecher von Eon Energie in München lediglich. Bei Eon Energie waren unter anderem der Kraftwerksbereich und die Netzsparte betroffen.

Wie schon bei der Razzia im Mai dieses Jahres gehen die Ermittler dem Verdacht nach, dass es im Stromsektor zu Gebiets- oder Preisabsprachen gekommen sein könnte. Diesmal standen nach Informationen der "Berliner Zeitung" die Kraftwerkssparten mit den Stromerzeugung sowie die für den Stromtransport verantwortlichen Netztöchter der Unternehmen im Visier der Fahner. Vor einem halben Jahr hatten sich die Brüsseler Beamten auf die Handelsaktivitäten der Energiekonzerne konzentriert.

Auch der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes bestätigte die unangemeldeten Durchsuchungen bei den großen Stromkonzernen, nannte die Namen aber nicht. "Die Kommission hat Grund zur Annahme, dass die betroffenen Unternehmen gegen die Wettbewerbsregeln des EG-Vertrages verstoßen haben, die einschränkende Geschäftspraktiken und/oder den Missbrauch einer dominanten Marktposition verbieten", hieß es in einer Erklärung der Behörde.

Die EU-Wettbewerbshüter klagen seit Jahren über Marktabschottung und hohe Preise in der europäischen Energiebranche. Falls die Kartellwächter ein Verfahren eröffnen und ihren Verdacht erhärten können, drohen den Konzernen hohe Strafgelder von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes. Das wären beispielsweise bei Eon mehr als 5 Milliarden Euro.

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