Aus der Statistik schlau werden: Vier oder fünf Millionen Arbeitslose?

- München - In Deutschland Beschäftigung zu finden, bleibt schwierig. Die nach wie vor schlechte Konjunktur und der winterbedingte Stellenabbau trieben im Februar die Arbeitslosenquote nach oben. Mit 4,641 Millionen Männern und Frauen waren 43 600 mehr arbeitslos gemeldet als im Januar. Die Quote erhöhte sich von elf auf 11,1 Prozent, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA). Oppositionspolitiker kritisierten, die bereinigte Statistik sei nicht mehr aussagekräftig.

<P>BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt sagte, der Zuwachs sei zwar geringer als im vergangenen Jahr, er liege aber deutlich über den sonst üblichen Februarwerten. Im Durchschnitt der letzten sechs Jahre war die Zahl der Arbeitslosen im Februar um 20 000 gestiegen. "Das Wirtschaftswachstum ist noch zu schwach und nicht dauerhaft genug, um dem Arbeitsmarkt entscheidende Impulse zu geben", sagte Alt.<BR><BR>Sein Chef, BA-Vorstand Frank-Jürgen Weise, erklärte, der Anstieg sei im Wesentlichen eine Folge der Winterpause. Zugleich müsse die Bundesagentur feststellen, "dass anders als im Jahr 2003 die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen nicht mehr ausreichen, die konjunkturelle Entwicklung auszugleichen". Bisher hatte die Reformpolitik der BA unter dem Motto "Fördern und Fordern" zu einem regelmäßigen Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit geführt. Im Februar jedoch stieg die um jahreszeitliche Einflüsse korrigierte Zahl gegenüber dem Vormonat um 26 000. Dabei waren in Westdeutschland 2,945 Millionen Menschen (8,9 Prozent) ohne Job, in Ostdeutschland 1,695 Millionen (19,4 Prozent).<BR><BR>Die politischen Lager interpretierten die Zahlen traditionell gegensätzlich: "Die insgesamt verbesserte Situation auf dem Arbeitsmarkt ist unübersehbar", meldete das Wirtschaftsministerium. Minister Wolfgang Clement hofft demnach auf vier Millionen Arbeitslose im Herbst. Ganz anders äußerte sich der FDP-Experte Dirk Niebel: Man nähere sich "rasant der Fünf-Millionen-Marke".<BR><BR>Der Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer (CSU) kritisierte, dass die Arbeitslosenstatistik nicht mehr mit dem Vorjahr vergleichbar sei. Die aktuelle Arbeitslosenzahl bezeichnete er als "Gespensterzahl", da die Bundesregierung in den vergangenen Monaten rund 300 000 Arbeitslose aus der Statistik eleminiert habe. So seien beispielsweise ältere Arbeitslose in den Vorruhestand gedrängt worden. </P><P>Außerdem kritisierte er, dass Arbeitslose, die an Trainingsmaßnahmen teilnehmen, seit Januar 2004 nicht mehr erfasst werden. Im Februar sind deswegen laut BA 66 700 Menschen aus der Statistik gefallen. Nach der alten Zählweise liegt die Gesamtzahl bei rund 4,7 Millionen.<BR><BR>Anders als im gesamten Bundesgebiet blieb die Arbeitslosenzahl in Bayern nahezu unverändert: Sie stieg um 1620 auf 515 000. Die Quote lag bei 7,9 Prozent. Wolfgang Breunig, Leiter der Regionaldirektion Bayern, sieht darin erste Anzeichen für eine künftige Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt. Er sei "optimistisch" für den Frühlingsbeginn. In München, Freising und Traunstein ging die Arbeitslosigkeit geringfügig zurück. </P>

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