Statt Auto-Aldi: BMW setzt auf das Feinkostgeschäft für Mobilität

- München - Wer gewinnt in der Krise? Aldi könnte man nennen: rigides Kostenmanagement und knallhart kalkulierte Preise. Doch es geht auch anders. BMW setzt konsequent auf anspruchsvolle Kundschaft und hat auch in der Krise mit dem neuen - nicht gerade billigen - 5er die Wende geschafft. Einen erneuten Verkaufsrekord auch für die Stamm-Marke strebt Vertriebsvorstand Michael Ganal nun für 2003 an. Neue Modelle der oberen Preisklassen sollen Anfang 2004 für weiteren Schub sorgen.

<P>Aldi und edle Autos sind in der Philosophie des Konzerns kein Widerspruch. Wer es sich leisten kann, geht ins Feinkostgeschäft, aber auch zum Discounter, sagt BMW-Manager Dietmar Bauer. BMW sieht sich auf der Seite der Feinkost: da, "wo man sich etwas besonderes leistet." Die Verkaufszahlen liefen Anfang des Jahres gegen BMW. Mit dem 5er begann BMW im Sommer eine Aufholjagd. Der September lag bereits 5 % über Vorjahr, zweistellige Zuwachsraten für den Rest des Jahres würden eine neue Rekordmarke ermöglichen.</P><P>Dazu können aber weder der neue X3 noch das 6er-Coupé beitragen. Beide Fahrzeuge, die der Konzern nun in Andalusien präsentierte, gehen erst Anfang 2004 an den Start. Der neue geländegängige X3 ist in der Preisregion des 5er angesiedelt: Mit etwas Zubehör liegt man deutlich oberhalb der 40 000 Euro-Marke. Dennoch peilt man von jungen Familien bis zu besonders freizeitaktiven Menschen schon 2004 rund 80 000 Käufer an. Mit 100 000 X5 wäre dann jeder sechste BMW aus dieser Kategorie.</P><P>Weit tiefer noch geht der Griff in den Geldbeutel für den Fahrspaß mit dem 6er-Coupé, das ab 72 000 Euro zu haben sein wird. Man wendet sich an Kunden, die es "geschafft haben" - und dies auch zeigen wollen. Bei 86 000 Exemplaren des Vorgängermodells legt Ganal die Messlatte, die der Konzern überspringen will.</P><P>Das sind kaum mehr als BMW mit den intern "Sport-Activity-Vehicle" (SAV) genannten geländegängigen X3 bereits im ersten Jahr gewinnen will. Der Konzern reklamiert einen Startvorteil für sich. "Wir haben keinen vergleichbaren Wettbewerber", sagt Dietmar Bauer. Allerdings wird in der Branche erwartet, dass die Konkurrenz nachzieht.</P><P>Den SAV-Markt sieht man nun auch in Europa überproportional wachsen. Dabei spielt die Geländetauglichkeit eine Nebenrolle. Hohe Sitzposition, Sicherheitsgefühl und Flexibilität, sind besonders wichtig. Doch soll Sicherheit nicht nur ein Gefühl bleiben. So kam es den Ingenieuren darauf an, die bei Geländefahrzeugen bauartbedingten Nachteile auf der Straße auszugleichen.<BR>In einem kleinen Kästchen hinter Motor und Getriebe verbirgt sich der Stolz der Entwickler: X-Drive wird es genannt. Eigentlich nur eine Kupplung, die die Kraft voll auf die Hinterachse lenken, aber auch stufenlos auf echten Allradantrieb umschalten kann. Die Steuerung übernimmt der Computer, der für das Stabilitätssystem die Fahrzeugdaten auswertet, über X-Drive aber schon vorbeugend für mehr Stabilität sorgen soll.</P><P>In der Praxis bestätigt sich das: Auf holprigen kurvenreichen Straßen sowie bei Nässe steht der X 3 einem sportlichen Pkw nicht mehr nach. Weit seltener als gewohnt muss zusätzlich die elektronische Stabilitätskontrolle eingreifen. Selbst bei Schneeglätte sorgt die computergesteuerte Zusatz-Kupplung für Stabilität.</P><P>Angst, dass das bei Magna Steyr in Österreich gebaute Fahrzeug die Verkaufszahlen des X5 beeinträchtigt, hat man bei BMW nicht. Der X5 sei größer, stärker und teurer - und spreche damit eine andere Zielgruppe an. Eine weitere Gruppe soll Ende 2004 zum Zug kommen. Der 1er soll dann das Programm der weißblauen Marke nach unten abrunden.<BR></P><P> </P>

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