Statt Bankrott kam der Durchbruch

- München - "Ein Leben ohne Bücher ist für mich nicht vorstellbar. Schon ihr Geruch gefällt mir", beschreibt Nina Hugendubel ihr Verhältnis zum Beruf. Seit diesem April leitet die 35-jährige Politologin zusammen mit ihrem ein Jahr älteren Bruder Maximilian die Buchhandelskette Hugendubel. Der Tod ihres Vaters Heinrich, in der Branche als einer der erfolgreichsten und innovativsten deutschen Buchhändler geschätzt, übertrug die Verantwortung für die Firma mit 1100 Mitarbeitern auf die beiden jungen Unternehmer.

"Der Tod eines so bedeutenden Unternehmers, der sein Geschäft mehr als 40 Jahre führte, hinterlässt eine große Lücke. Wir müssen sie nun füllen", beschreibt Maximilian Hugendubel den Geschäftsübergang. Der promovierte Jurist verantwortet in der Geschäftsleitung die Themen Informationstechnologie und Finanzen, seine Schwester kümmert sich um Marketing, Vertrieb, Internet und Service. Drei weitere Geschäftsführer komplettieren das Führungsteam.

Die beiden neuen Hugendubel-Chefs, deren Firma jetzt in der fünften Generation in Familienbesitz ist und die heute 32 Filialen (neun in München) in 17 deutschen Großstädten betreibt, wuchsen langsam in ihre neuen Aufgaben hinein. "Als Kinder hatten wir nicht mehr Bücher als andere. Unser Vater ließ uns lesen, was wir wollten. In den Urlaub durften wir sogar einen Mickey-Mouse-Comic mitnehmen", erzählt Nina Hugendubel.

Beide Geschwister machten vor ihrer universitären Ausbildung eine Buchhandelslehre, sammelten ausgiebig Erfahrung im Ausland (USA, Japan und Frankreich) und arbeiteten einige Jahre für andere Firmen. Seit 2001 gehören sie der Unternehmensführung von Hugendubel an.

Der Blick über den nationalen Bereich hinaus habe die Sensibilität für Innovationen, aber auch für problematische Entwicklungen geschärft, meinen beide übereinstimmend. In den USA werde der Buchhandel von zwei großen Aktiengesellschaften beherrscht. Jede habe einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent. In Deutschland hingegen sei der Buchhandel mittelständisch geprägt, erläutert Maximilian Hugendubel.

Das habe oft gravierende Folgen. "In den USA werden Bestseller schon seit vielen Jahren gezielt gemacht. Die entstehen nicht zufällig durch den Publikumsgeschmack", weiß Nina Hugendubel. Die Situation in Deutschland sei da doch von mehr Ehrlichkeit geprägt.

"In vielen technischen und unternehmerischen Entwicklungen sind uns die USA aber um Jahre voraus", glaubt Maximilian Hugendubel.

Gerade neue Wege waren es, die das Traditionshaus auf die Erfolgsspur brachten. Vater Heinrich Hugendubel, der das seit 1893 in Familienbesitz befindliche Geschäft mit Stammsitz am Salvatorplatz seit 1964 leitete, wagte 1979 einen entscheidenden Schritt. Am Münchner Marienplatz eröffnete er die erste Erlebnisbuchhandlung Deutschlands. Auf 2400 Quadratmetern warteten Bücher auf die Leseratten, die es sich in Leseecken zum Schmökern bequem machen konnten, bevor sie kauften.

"Alle erklärten meinen Vater damals für verrückt und prognostizierten seinen baldigen Bankrott", erzählt Nina Hugendubel. Ihr Vater habe sicherlich einige schlaflose Nächte verbracht. Doch statt zur Pleite führte er das Unternehmen zum Durchbruch. 2004, im letzten vollen Geschäftsjahr zu Lebzeiten Heinrich Hugendubels, stieg der Umsatz trotz der Konsumflaute um fünf Prozent auf 226,5 Millionen Euro.

Und Hugendubel werde auch unter der neuen Leitung seinen Innovationskurs fortsetzen, versprechen die beiden Chefs. Der Internet-Buchhandel mit 1,3 Millionen Titeln werde mit verbessertem Service ausgebaut, ein Buch-Service-Center aufgebaut, eine neue, moderne Filiale in Ulm habe eröffnet und auf das Antiquariat und den "Bookshop" mit englischsprachiger Literatur am Salvatorplatz werde ein besonderes Augenmerk gelegt, versprechen die beiden Buchhändler. "Wir sind positiv eingestellt, haben keine Angst vor der Zukunft, sondern freuen uns auf Neuerungen."

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