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Statt Handy nur Pappe: Flohmarkt im Internet lockt auch Betrüger an

- Markus Hecker war begeistert: Beim virtuellen Streifzug über den Online-Flohmarkt von Ebay leuchtet ihm auf dem Bildschirm unvermutet seine Traum-Digitalkamera entgegen. Für nur zwei Drittel des Ladenpreises, originalverpackt. Den nahenden Urlaub vor Augen fackelte Hecker nicht lange: Gebot per Sofortkauf, der virtuelle Hammerschlag fiel per Mausklick, die "Canon Ixus" war sein. Theoretisch zumindest. Denn nach Heckers Überweisung stellte sich der Verkäufer tot und das heiß ersehnte Paket lässt auf sich warten. Bis heute.

<P>Kein Einzelfall, meint Juristin Petra von Rhein von der Verbraucherzentrale Bayern. Der Betrug bei Ebay steigt mit der Zahl der Benutzer immer mehr an. Und die Formen der Online-Abzocke werden variantenreicher. Damit auf den Traum vom geglückten Online-Schnäppchen nicht ein böses Erwachen folgt, sollte man auf Folgendes achten:</P><P>Leere Packung</P><P>Einer der beliebtesten Tricks ist es, die leere Packung eines Artikels zu dem Preis anzubieten, den sie mit Inhalt wert wäre. Das ist plump, funktioniert aber oft. Der Verkäufer schreibt beispielsweise in die Artikelbeschreibung: Handy Nokia 6610, Originalverpackung und bildet den verschlossenen Karton ab. Wer im Steiger-Eifer dafür bietet, bekommt außer Pappe nichts. Insofern sollte man sich den Text der Versteigerung immer genau durchlesen, empfiehlt Rechtsanwalt Johannes Richard, der sich auf Online-Recht spezialisiert hat. Und bei zweideutigen Texten nicht bieten.<BR><BR>Anfechten möglich</P><P>Rechtlich steht so ein Kaufvertrag trotz der eigentlich korrekten Beschreibung der Ware auf tönernen Füßen: Der Käufer kann ihn wegen Irrtum anfechten, sagt Jurist Richard. Er empfiehlt, dem Karton-Verkäufer per Einschreiben den Rücktritt vom Kaufvertrag zu erklären und eine Frist zu setzen, innerhalb derer er das Geld zurückzahlen soll. Geht er darauf nicht ein, muss man die Sache vor Gericht regeln. Und das ist aufwendig und teuer, weil man den Verkäufer an dessen Wohnort verklagen muss, betont Richard. Vor solchen unliebsamen Überraschungen kann man sich schützen, indem man per E-Mail nachfragt, ob auch ein Handy im Karton ist. Reagiert er auf die Anfrage nicht oder macht Ausflüchte, sollte man auf keinen Fall bieten, betont Petra von Rhein von der Verbraucherzentrale.<BR><BR>Treuhandservice nutzen</P><P>Bei teureren Artikeln sollte man den Treuhand-Service von Ebay nutzen, empfiehlt die Verbraucherzentrale Bayern: Da bekommt der Verkäufer das Geld erst, wenn sein Kunde die gewünschte Ware erhalten hat, erklärt Petra von Rhein. Lehnt jemand diese Zahlungsmethode ab, ist meist was faul. <BR><BR>Manipulierte Profile</P><P>Viele unseriöse Anbieter sammeln erst gute Bewertungen, um dann im großen Stil abzusahnen, beschreibt Petra von Rhein eine weitere Betrugsmasche. Das ist möglich, indem man erst korrekt Versteigerungen durchführt, die die Käufer positiv bewerten. Dann versteigert der Mensch mit der blütenweißen Ebay-Weste auf einen Schlag 100 teure Laptop-Computer, die er nicht hat. Die Interessenten stufen den Händler aufgrund seiner positiven Bewertungen als vertrauenswürdig ein und bieten. Und bevor der erste merkt, dass kein Computer verschickt wird und sich beschwert, hat der letzte schon das Geld überwiesen. "Man sollte sorgfältig darauf achten, ob sich die positiven Einträge über einen längeren Zeitraum erstrecken", rät von Rhein. Das sieht auch Anwalt Johannes Richard so. "Wenn viele gute Bewertungen über einen kurzen Zeitpunkt angesammelt wurden, noch dazu mit billigen Artikeln, ist Vorsicht geboten." <BR><BR>Versandkosten-Wucher</P><P>Eine weitere Form der unmoralischen Geldmacherei ist, für den Versand horrende Summen zu verlangen: Da kostet ein einfaches Päckchen auf einmal 500 oder 1000 Euro, hat Anwalt Richard erlebt. Stand davon nichts im Auktions-Text, ist die Sache anfechtbar. Ansonsten kann es schwierig werden. "Überliest der Interessent die Porto-Angabe und bietet, ist es schwierig, vom Kauf zurückzutreten", warnt Richard. "Mit der Abgabe meines Gebotes habe ich den Preis eigentlich akzeptiert."<BR><BR>Scheinbieter</P><P>Verkäufern, die einen möglichst guten Schnitt machen wollen, treiben den Preis für ihre Ware auch gerne künstlich nach oben: Sie bieten mit dem Ebay-Zugang ihrer Frau oder eines Freundes selber und verführen so echte Interessenten zu höheren Geboten. Erreicht der Artikel den gewünschten Preis nicht, ersteigert ihn der Verkäufer selber - und bietet ihn wieder an. Dieses Scheinbieten ist beliebt, laut Ebay-Richtlinien verboten und kaum nachzuweisen: Auch wenn man langfristig Auktionen von einem Verkäufer beobachtet und immer wieder gleich hohe Gebote abgibt, ist das kein Beweis, bedauert Petra von Rhein von der Verbraucherzentrale. Sie empfiehlt deshalb, sich vor dem Steigern ein persönliches Limit zu setzen und auf keinen Fall mehr zu bieten.<BR><BR>Händler oft billiger</P><P>Bevor man bei Ebay die Maustaste klickt, sollte man die Klinke des nächsten Einzelhändlers drücken: Oft ist deren Angebot günstiger als der marktschreierisch gepriesene Schnäppchenpreis des Online-Händlers. Ebay ist nicht immer ein Synonym für günstig: "Da verhält es sich im Internet wie im richtigen Leben", meint Petra von Rhein. "Erst vergleichen, dann kaufen."<BR></P>

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