Statt herber Verluste: Fremder Retter für die Lebensversicherung

- Lebensversicherungen verkaufen statt kündigen: So lautet die Alternative für immer mehr Versicherte, die sich in einer finanziellen Notlage befinden. Unternehmen wie die Cashlife AG, BC-Net oder Barwert.de haben sich auf diesen Service spezialisiert. Sie kaufen Lebensversicherungen auf, und ihre Zahlungen liegen deutlich höher als der Rückkaufwert der Versicherung.

<P>Allerdings wird längst nicht jeder Vertrag genommen, und man sollte sich den Verkauf seiner Versicherung gut überlegen, wie Michael Wortberg, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, erklärt. Die Gesellschaften dürfen sich auf gute Geschäfte freuen. Nach Angaben des Bundes der Versicherten (BdV) wird jede zweite Police vorzeitig gekündigt. Allein Cashlife erwarb im Vorjahr Versicherungen im Volumen von 130 Millionen Euro. Das jährliche Storno-Volumen in Deutschland beträgt rund neun Milliarden Euro.</P><P>Bei der Kündigung ihrer Lebensversicherung müssen Kunden herbe Verluste einstecken. Denn bei Auszahlung der eingezahlten Beiträge werden hohe Verwaltungs- und Vertriebskosten abgezogen. "Wer nur kurz eingezahlt hat, bekommt oft nichts zurück", sagt BdV-Geschäftsführer Frank Braun.</P><P>Die Aufkäufer werben, dass man bei ihnen besser abschneidet. So liegen die Kaufwerte bei Cashlife und Barwert bis zu sieben Prozent über dem Rückkaufwert. BC-Net wirbt in einer Beispielberechnung sogar mit 25 Prozent. Beim Verkauf bleibt dem Kunden auch zudem der Versicherungsschutz im Todesfall erhalten. Den Hinterbliebenen wird die fällige Versicherungssumme abzüglich der gezahlten Beträge und einer Verwaltungsgebühr ausgezahlt.</P><P>Ein weiterer Vorteil ist, dass bei Verträgen unter zwölf Jahren Laufzeit keine Kapitalertragssteuer fällig wird. Denn die Gesellschaften zahlen die Beiträge weiter und bündeln sie zu Fonds. Allerdings wird längst nicht jeder Vertrag gekauft. So nimmt BC-Net nur Policen mit einem Rückkaufswert von mindestens 6000 Euro, bei Cashlife sind es 10 000. Beide akzeptieren nur Verträge mit einer Restlaufzeit von höchstens 15 Jahren. Zudem werden nur Policen weniger deutscher Versicherungen akzeptiert, Direktversicherungen bleiben ganz außen vor.</P><P>"Das Angebot der Firmen ist grundsätzlich eine Überlegung wert, allerdings erfüllen die meisten Verträge nicht deren strenge Kriterien", betont Verbraucherschützer Wortberg. Das räumt auch Cashlife ein. Von den 2000 Anfragen pro Monat werden nur rund zehn Prozent berücksichtigt. "Allerdings ist ein Verkauf nicht immer die beste Lösung", sagt Wortberg. "Für Versicherte, die ihre Beiträge nicht mehr zahlen könnten, ist unter Umständen eine Beitragsfreistellung oder eine Stundung ratsamer."</P><P>Der BdV empfiehlt, auf einen fairen Rückkaufwert bei den Versicherungen zu bestehen. Wer eine nach 1994 abgeschlossene Lebensversicherung kündigt, sollte sich nicht mit einem niedrigen Rückkaufwert abspeisen lassen. "Verbraucher können wesentlich höhere Summen geltend machen, als von den Versicherern errechnet, denn die hohen Kostenabzüge für die gesamte Vertragslaufzeit sind unzulässig", betont Braun. Das belege ein aktuelles Urteil des Landgerichts Hildesheim (Az: 1 S 3/03), das einem Kläger nach der Kündigung einen Nachforderungsanspruch zugestand.</P><P>"Die Chancen auf höhere Rückzahlungen sind so gut wie nie zuvor. Die Gerichte urteilen zunehmend verbraucherfreundlich", sagt Braun.<BR></P>

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