Statt Job-Abbau: Neue Telefone sollen Siemens aus der Krise ziehen

- München - Siemens-Manager Lothar Pauly hat ein ehrgeiziges Ziel. "Wir müssen unsere Größe und Breite in Stärke wandeln", sagt der Chef des neuen Konzernbereichs -Kommunikation. Der entsteht im Oktober durch die Verschmelzung der Sparten Mobilfunk und Netzwerke.

<P>Groß und breit ist die neue Einheit, bei der rund 60 00 Mitarbeiter beschäftigt sind. Mit 17 Milliarden Euro steuert sie fast ein Viertel aller Erlöse des Technologiekonzerns bei und bietet vom individuellen Handy bis zu länderweiten Telekomnetzen die gesamte Palette der Branche. Beim Geldverdienen hat "Siemens Com", wie Pauly sein Kind nennt, klar Nachholbedarf.</P><P>Dem stolzen Umsatzanteil, der den Bereich zum bei weitem größten und wichtigsten im Konzern macht, stehen nämlich nach neun Monaten des laufenden Geschäftsjahrs 2003/04 mit 435 Millionen nur knapp zwölf Prozent am operativen Gewinn gegenüber. Von den Gewinnzielen, die Konzernchef Heinrich von Pierer ausgegeben hat, ist "Siemens Com" damit weit entfernt.</P><P>An den acht bis elf Prozent Rendite vor Steuern und Zinsen, die noch vor den Krisenjahren 2001 bis 2003 ausgegeben wurden, will sich Pauly weiter messen. Bei etwa 3,5 Prozent lag diese Quote zuletzt. Das zeigt, welchen Weg die neue Mammuteinheit noch zurücklegen muss.</P><P>Primär auf Kosten des Personals soll das nach dem Abbau von tausenden Stellen in den bislang zwei Bereichen nicht geschehen. "Kosten sparen können andere auch", hat Pauly erkannt. Kostensynergien entstünden aber bei der Zusammenlegung der beiden Verwaltungen. Das könnte zusätzlich einigen hundert der dort insgesamt 1600 beschäftigten Frauen und Männern den Arbeitsplatz kosten.</P><P>Dem Preisdruck könne der neue Bereich nur durch Innovationen standhalten, sagt Pauly. Er preist die neue Generation von Siemens-Mobiltelefonen mit Minitastatur für den Internetverkehr an. </P><P>Mit einem globalen Marktanteil von 6,4 Prozent liegen Siemens-Handys gleichauf mit Sony/Ericsson auf Rang vier der Branche. Nokia mit 27,7 Prozent, Motorola (14,7) und Samsung (13,9) sind nicht einmal in Sichtweite. Stärker zulegen als der Markt, lautet die Devise für das prestigeträchtige Produkt. Beim Marketing, das für Mobiltelefone immens wichtig ist, hätte Nokia größenbedingt spürbare Kostenvorteile. </P><P>Herausforderungen sieht der neue Com-Chef für seinen Bereich daneben vor allem in technologischer Hinsicht. Denn Mobilfunk und Festnetze wachsen immer mehr zusammen, was ein Hauptgrund für die Fusion der beiden Siemens-Bereiche war. Der Mensch werde künftig wohl nicht mehr mit bis zu zehn Kommunikationsendgeräten, sondern tunlichst nur noch mit einem durch die Welt funken, lautet Paulys Vision. Sein Bereich soll an der Spitze dieser Entwicklung stehen. Auf die im Internetboom gewöhnten Wachstumsraten des Markts von 40 bis 50 Prozent könne man dabei zwar nicht mehr vertrauen. Aber drei bis fünf Prozent mehr seien nach überstandener Krise per anno schon drin. Auch als die Branche am Boden lag, habe Siemens Marktanteile gewonnen, weil Konkurrenten wie Lucent und Alcatel stärker geschrumpft seien, betont, Pauly. "Siemens Com" soll jetzt nicht nur aus der Krise, sondern auch aus dem Aufschwung als Sieger hervorgehen.</P>

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