Statt Verkauf: Walter Bau übernimmt Mehrheit bei Züblin

- München - Der Augsburger Baukonzern Walter Bau übernimmt völlig überraschend die Mehrheit an seiner bisherigen Stuttgarter Minderheitsbeteiligung Züblin. Zuvor hatte das mehrheitlich dem Bauunternehmer Ignaz Walter gehörende Unternehmen vergeblich versucht, die schon gehaltenen knapp 49 Prozent an den Stuttgartern zu veräußern. Das war aber immer wieder am verlangten Preis von dem Vernehmen nach 180 Millionen Euro gescheitert. Jetzt erwirbt Walter Bau weitere knapp 43 Prozent an Züblin.

<P>Verkäufer ist die dort bestimmende Familie Lenz, die mit Walter dem Vernehmen nach über Kreuz liegt. Über den Kaufpreis haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart. Branchenkenner schätzen ihn auf gut 100 Millionen Euro. Walter Bau verfügt nach der Transaktion, die noch 2004 abgeschlossen sein soll, damit offiziell über rund 92 Prozent an Züblin. Weitere fünf Prozent sind angeblich bei einem befreundeten Partner geparkt, heißt es.</P><P>Die Übernahme von Züblin lässt Walter Bau mit künftig 4,4 Milliarden Euro Bauleistung als Nummer drei der Branche näher an das Führungsduo Hochtief und Bilfinger+Berger heranrücken. Für die insgesamt 18 000 Mitarbeiter könnte die Verschmelzung beider Konzerne neuerlichen Stellenabbau bringen. Darüber sei noch nicht entschieden, sagte ein Walter-Sprecher auf Anfrage. Ziel der Zusammenführung sei aber eine Konzentration der Kernkompetenzen, effizientere Organisation und eine Verbesserung des operativen Ergebnisses bis 2008 auf über 100 Millionen Euro.</P><P>Beide Unternehmen hatten zuletzt unter dem Druck der seit Jahren anhaltenden Flaute am Bau nur marginale Gewinne ausgewiesen. Schlecht steht vor allem die Züblin übernehmende Walter Bau da. Den Augsburgern war es 2003 nur durch Immobilienverkäufe gelungen, einen neuerlichen Verlust zu vermeiden. Das Unternehmen, das zuletzt Tausende Stellen gestrichen hat, war zeitweise sehr knapp bei Kasse und konnte nur durch einen großen Bankkredit für Entspannung sorgen.</P><P>Geführt werden soll der neue Baukonzern nach der Verschmelzung von Walter Bau und Züblin durch den jetzigen Chef der Stuttgarter, Manfred Nußbaumer. Bei Walter Bau ist der Vorstandsvorsitz derzeit vakant, weil Konzernchef Wolf Fitzner bei einem Autounfall im Mai ums Leben gekommen war. "Wir bündeln Kompetenzen in Kernmärkten und schaffen damit Wettbewerbsstärke", kommentierte der designierte Konzernchef Nußbaumer den Zusammenschluss. In ausgewählten Märkten und Segmenten würden beide Unternehmen einen eigenständigen Marktauftritt behalten. Stuttgart bleibe als wesentlicher Standort bestehen.</P>

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