Stockender Nachschub

Chaos im Hamburger Hafen und in Rotterdam: Jetzt stauen sich die Schiffe auch auf Rhein und Elbe  

  • Markus Hofstetter
    VonMarkus Hofstetter
    schließen

Das Chaos in der Containerschifffahrt hat Hamburg und Rotterdam erreicht. Reedereien lassen die Häfen links liegen. Nun stauen sich die Schiffe auf Rhein und Elbe.

Hamburg/Rotterdam - Die Weltwirtschaft ist nach dem ersten Corona-Schock wieder angesprungen, immer mehr Schiffe und Container werden zwischen den Kontinenten hin und her geschickt. Doch die globalen Lieferketten kommen nicht mehr mit. Die Schiffe werden unpünktlicher, Fahrpläne sind Makulatur, Kapazitäten werden knapp. Der Branchendienst Maritime Analysis kommt zu dem Ergebnis, dass im April nur rund 25 Prozent aller Schiffe pünktlich waren. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 70 Prozent.

Erschwerend kommen Ereignisse hinzu, die die Probleme weiter verschärfen. Erst sorgte der Stau, der im März durch die Havarie der Ever Given im Suezkanal verursacht wurde, für zusätzliche Verspätungen. Dann schloss China Anfang Juni einen seiner wichtigsten Häfen nach einem Corona-Ausbruch.

Chaos in der Containerschifffahrt: Reedereien meiden Hamburg und Rotterdam

Als Folge stauen sich die riesigen Schiffe vor den Häfen, in den Häfen stauen sich die Container. Doch dieses Problem war bisher weit weg: Nur Häfen in China, Singapur oder den USA schienen davon betroffen zu sein. Aber inzwischen herrscht auch in Europa Chaos. Die Häfen von Hamburg und Rotterdam kämpfen mit Kapazitätsengpässen oder Verspätungen.

Deswegen haben Container-Reedereien die beiden Häfen an der Nordsee aus ihren Fahrplänen gestrichen. Die WirtschaftsWoche berichtet, dass Maersk und MSC (Mediterranean Shipping Company) seit Anfang Juni in Hamburg nicht mehr anfahren. Begründet wird dies mit vollen Lagenplätzen und langen Wartezeiten. Stattdessen werden Terminals in Wilhelmshaven oder Bremerhaven angesteuert. Eigentlich sollte die Maßnahme vier Wochen dauern. Doch da keine Besserung in Sicht ist, wurde sie verlängert.

In Rotterdam herrschen die gleichen Zustände. Die Reederei Hapag-Lloyd fährt den mit einem Umschlag von 14 Millionen Standardcontainern im Jahr größten Hafen Europas nicht mehr an, für zunächst sieben Wochen.

Chaos in der Containerschifffahrt: Schiffe stauen sich auf Rhein und Elbe

Doch die Auslassung der Häfen löst nicht das Problem. Denn es fehlen nicht nur die Container, die eigentlich abgeladen werden sollen. Es warten auch immer mehr Container darauf, abgeholt zu werden. Deswegen zieht sich der Stau nun bis auf die Flüsse hin. Denn Binnenschiffer transportieren viele Exportcontainer aus dem Landesinneren über Rhein und Elbe an die Seehäfen, wo diese an den gleichen Terminals abgeladen werden, den auch die Meeresriesen benutzen. Da Seeschiffe Priorität haben, werden zunächst sie abgefertigt, die Flussschiffe müssen warten. Der Bundesverband der Binnenschiffer (BDB) berichtet von Wartezeiten von bis zu einer Woche in Hamburg, in Rotterdam müssen Binnenschiffer im Schnitt drei Tage auf die Ladekräne warten.

Die Zustände in Rotterdam wirken sich inzwischen auch auf die deutschen Rheinhäfen aus. Laut dem Vermarkter Duisport Agency kommen sowohl Züge als auch Binnenschiffe verspätet aus den großen Seehäfen im Duisburger Hafen an.

Damit muss die deutsche Industrie auch weiter mit Engpässen zurecht kommen. Denn oftmals fehlt es an Baustoffen, Chemieprodukten, Computerchips oder sogar Schrauben. Zwar gibt es teilweise schon bei der Produktion Probleme, doch auch das internationale Logistik-Chaos trägt zu den Lieferschwierigkeiten bei.

Rubriklistenbild: © Markus Tischler via www.imago-images.de

Auch interessant

Kommentare