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Die Rentner können sich 2016 auf eine kräftige Erhöhung freuen. Die Aussichten für die Zukunft sind allerdings weniger rosig. 

Größte Anpassung seit der Jahrhundertwende

Was steckt hinter dem Rentenplus?

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Würzburg - Es wird voraussichtlich die größte Anpassung seit der Jahrhundertwende. Um vier bis fünf Prozent soll die Rente 2016 ansteigen. Das bestätigt die neueste Schätzung. Der Beitragssatz wird im kommenden Jahr wohl stabil bleiben – mittelfristig werden die Beiträge aber steigen.

Die große Überraschung blieb aus, als Alexander Gunkel die Zahl aussprach. Um vier bis fünf Prozent sollen die Renten 2016 ansteigen, verkündete der Vorstandsvorsitzende der Rentenversicherung Bund am Mittwoch vor Journalisten in Würzburg. „Die größte Anpassung seit der Jahrhundertwende.“ Es handelt sich in der Tat um eine beachtliche Zahl, nur eben auch um keine ganz neue. Die neueste Schätzung bestätigt vorhergegangene.

Für Rentner ist sie dennoch erneut ein Grund zur Freude. Denn auch wenn es sich noch immer um eine Schätzung handelt, so ist spätestens jetzt durchaus davon auszugehen, dass es tatsächlich so kommen wird. Den deutlichen Anstieg verdanken die Rentner der guten Wirtschaftslage. Das prognostizierte Beschäftigungswachstum und die Lohnanstiege im Jahr 2015 lassen auch die Renten wachsen – nach Einschätzung der Bundesregierung steigen die Gehälter 2015 im Westen um 2,95 Prozent und im Osten um 3,06 Prozent. Anfang 2015 war der Rentenbeitragssatz von 18,9 auf 18,7 Prozent gefallen, was zwar über den sogenannten Beitragssatzfaktor rentenerhöhend wirkt, für sich betrachtet aber auch zu einem Rückgang der Beitragseinnahmen um gut ein Prozent hätte führen müssen. Tatsächlich aber ließ die positive Beschäftigungssituation die Einnahmen um 2,9 Prozent steigen. Erwartet war lediglich ein Zuwachs von 2,3 Prozent. Zudem gab es einen einmaligen statistischen Effekt: EU-Vorgaben sorgten dafür, dass im vergangenen Jahr der Wert für das Lohnniveau, der in die Berechnung eingeht, gedrückt wurde. Das wird nun ausgeglichen.

Die dynamische Entwicklung der Einnahmen durch eine hohe Beschäftigung ist es also, der die deutliche Rentenerhöhung in erster Linie zu verdanken ist. Doch: „Diese günstige Situation wird auf Dauer, das wissen wir, nicht anhalten können“, sagt Gunkel. „In den nächsten Jahren wird die Rentenversicherung auf der Ausgabenseite unter Druck geraten.“

Dort hat sich schon dieses Jahr einiges getan. Allein für die Ausbezahlung der Renten fallen 236,2 Milliarden Euro an. Das entspricht einem Anstieg von 4,6 Prozent. Dieses dicke Kostenplus ist – neben der letzten Anpassung – in erster Linie dem Rentenpaket der Großen Koalition geschuldet. Mütterrente und Rente mit 63 haben 2015 zusammen zusätzlich 8,8 Milliarden Euro gekostet. Im halben Vorjahr waren es 4,3 Milliarden Euro. 340 000 Anträge auf die Rente mit 63 gab es seit ihrer Einführung im Juli 2014. Wobei sich, wie Gunkel ausführt, natürlich die Frage stelle, wie viele dieser Menschen vielleicht auch ohne diese Möglichkeit mit Abschlägen früher ihr Arbeitsleben beendet hätten. Was die Mütterrente angeht, betont Gunkel, „dass wir für die zusätzlichen Ausgaben keine Erstattungen des Bundes bekommen“. Erst ab 2019 werde sich der Bund durch einen höheren Zuschuss beteiligen, „allerdings in völlig unzureichender Weise“.

Insgesamt geht die Deutsche Rentenversicherung für 2015 von Beitragseinnahmen von rund 206,5 Milliarden Euro aus. Rechnet man die Bundeszuschüsse hinzu, stehen am Ende Gesamteinnahmen von 270,2 Milliarden Euro. Unter dem Haushaltsjahr 2015 steht also ein Defizit von 1,9 Milliarden Euro. 33,7 Milliarden Euro liegen auf der hohen Kante – die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage. Dass auch sie höher ist als prognostiziert, liegt laut Gunkel an den hohen Beitragseinnahmen. „Sicher ist, dass die Zeiten einer reichlichen Nachhaltigkeitsrücklage Ende des Jahrzehnts vorbei sein werden“, prognostiziert Gunkel. Dann werde das Thema Liquiditätssicherung bei knapperer Finanzausstattung zentrale Bedeutung erlangen.

Was die Rentenbeiträge betrifft, bleibt 2016 voraussichtlich erstmal alles beim Alten, sprich bei einem Beitragssatz von 18,7 Prozent, den der Schätzerkreis bis zum Jahr 2020 ansetzt. Spätestens danach wird es aber aller Voraussicht nach zu Beitragssteigerungen kommen. Für 2021 setzt der Schätzerkreis einen Beitrag von 19,3 Prozent an, für das Jahr 2025 einen Satz von 20,5 Prozent.

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