Bei AEG stehen Zeichen auf Arbeitskampf

- Ingolstadt/Nürnberg - Nach dem Scheitern der Verhandlungen stehen die Zeichen beim von Schließung bedrohten AEGHausgerätewerk in Nürnberg auf Arbeitskampf. Die zweite Verhandlungsrunde zwischen IG Metall und Arbeitgebern wurde am Donnerstag in Ingolstadt nach kurzer Zeit ergebnislos abgebrochen. Bereits am Freitag wird die Große Tarifkommission der AEG über die Konsequenzen beraten. Bayerns IG Metall-Chef Werner Neugebauer sagte, er werde der Tarifkommission empfehlen, das Scheitern der Verhandlungen zu erklären.

Die Kommission werde dem voraussichtlich folgen. Bereits in der nächsten Woche könne die Urabstimmung über einen Arbeitskampf stattfinden. Der schwedische Electrolux-Konzern will das Werk mit 1750 Beschäftigten Ende 2007 schließen.

Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld am Scheitern der Verhandlungen. Nach Neugebauers Angaben verlangten die Arbeitgeber am Donnerstag, dass bis Ende Januar sämtliche Protestaktionen eingestellt würden. Auch ein für diesen Freitag geplanter Warnstreik solle abgesagt werden, ebenso eine vorgesehene Sitzung der Tarifkommission. Dies sei nicht akzeptabel. Neugebauer warf den Arbeitgebern Wortbruch vor, da sie kein Angebot vorgelegt hätten.

Dagegen zweifelte AEG-Sprecher Michael Eichel die Verhandlungsbereitschaft der Arbeitnehmerseite an. Offensichtlich gehe es der IG Metall darum, möglichst rasch in einen Arbeitskampf zu kommen. Indiz dafür sei, dass für Freitag zu einem Warnstreik aufgerufen worden sei. Damit sei das Scheitern der Verhandlungen faktisch vorweggenommen worden. Die Arbeitgeber hätten deshalb verlangt, dass die IG Metall ihre ernsthafte Absicht zu Verhandlungen verbindlich erklären müsse.

Eichel zufolge hatte der AEG-Verhandlungsführer Dieter Lange ein konkretes Angebot für einen Sozialplan bereits in der Tasche. Es habe aber keinen Sinn, darüber zu beraten, solange die IG Metall ihre Verhandlungsbereitschaft nicht klar dokumentiere. Electrolux stehe für ernsthafte Gespräche aber weiterhin zur Verfügung. Dagegen sprach Neugebauer von taktischen Spielchen der Arbeitgeber. "Wir lassen uns unsere Termingestaltung nicht vorschreiben." Die IG Metall sei bereit gewesen, den Warnstreik am Freitag sofort abzusagen, wenn es in Ingolstadt zu einem Ergebnis gekommen wäre.

Der Bevollmächtigte der IG Metall Nürnberg, Jürgen Wechsler, sagte, es sei ein Hohn, wenn die Beschäftigten gerade in der entscheidenden Phase der Verhandlungen nicht protestieren dürften. "Die Wut der Belegschaft wird sich steigern", sagte Wechsler. AEGBetriebsratschef Harald Dix sprach von einem "taktischen Schachzug" der Arbeitgeber. "Wir sollen gezwungen werden, einen Monat lang nicht zu protestieren." Dies hänge damit zusammen, dass Electrolux Teile, die im Nürnberger Werk produziert werden, für andere Fabriken benötige.

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