Steigende Zahl älterer Mitarbeiter bringt BMW zum Umdenken

- München - Der wachsende Anteil älterer Menschen in Deutschland wird Unternehmen vor eine große Herausforderung stellen. Denn in absehbarer Zeit werden Firmen mehr ältere als junge Mitarbeiter beschäftigen müssen. Ernst Baumann, Personalvorstand bei BMW, sieht in der sich wandelnden Altersstruktur aber auch Chancen: "Die Erfahrung der älteren Mitarbeiter ist ein Pfund." Um dieses auch zu nutzen, setzt BMW auf Gesundheitsvorsorge und die stetige Weiterbildung seiner Mitarbeiter.

Ab 2020 wird das Durchschnittsalter der Deutschen rasant steigen, erklärte Baumann bei der Vorstellung des Projekts "Heute für Morgen". Das liege an einer sinkenden Geburtenrate und einer zunehmenden Lebenserwartung. Dementsprechend geht ab 2020 die Zahl der Erwerbstätigen zurück - auf unter 30 Millionen. Davon sei die Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen mit minus 29 Prozent am stärksten betroffen. Der Anteil der 50- bis 64-Jährigen nimmt hingegen um vier Millionen zu.

Diese Umverteilung spüren die Unternehmen bereits, so Baumann: "Wir haben schon jetzt Schwierigkeiten, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Der Kampf um Talente am Arbeitsmarkt ist längst entbrannt."

75 Prozent der BMW-Belegschaft arbeite in Deutschland, erklärte der 57-jährige Personalchef. Im kommenden Jahrzehnt steige das Durchschnittsalter der Mitarbeiter um fünf Jahre.

Doch gerade ältere Mitarbeiter hätten auch Pluspunkte: neben der großen Erfahrung verfügen sie besonders über Urteilsfähigkeit, Qualitäts- und Pflichtbewusstsein sowie Zuverlässigkeit.

Mit dem Projekt "Heute für Morgen" will BMW nun jeden Angestellten, ob am Fließband oder im Büro, bis zum Ausscheiden aus dem Berufsleben leistungs- und beschäftigungsfähig halten. Dies will der Konzern durch vier Strategien erreichen: Mit einer Modernisierung der Arbeitsplätze, einer laufenden Weiterbildung der Mitarbeiter, einem betrieblichen Gesundheitsmanagement und, indem das Unternehmen bei seinen Angestellten Eigenverantwortung in puncto Gesundheit schafft.

Trotz allem wird es kaum möglich sein, dass jeder Mitarbeiter bis zum Rentenalter in der Montage oder einem Presswerk arbeiten kann, sagte Baumann. Deshalb sei es auch weiterhin sowohl für die Arbeitnehmer als auch für BMW wichtig, Mitarbeitern ein frühzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu ermöglichen. Zur Finanzierung so genannter Austrittsmodelle hat BMW bereits einen Teil der Erfolgsbeteiligung nicht an die Mitarbeiter ausgezahlt, sondern auf diese Art betriebliche Altersvorsorge umgeschichtet. Damit will der Münchner Autobauer vorzeitige Altersaustritte finanzieren, um so auch weiterhin junge Menschen als Ersatz einstellen zu können.

Baumann räumte ein, dass das Projekt "Heute für Morgen" keine "Gutmenscherei" ist: "Das kann man alles knallhart rechnen." Könnten die Krankheitsausfälle der Mitarbeiter um 0,5 Prozent gesenkt werden, würde ein Millionenbetrag frei. Die Investitionen in die betriebliche Gesundheitsvorsorge käme somit auch dem Unternehmen zugute. Baumann: "Damit gewinnt jeder."

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