MAN steigt aus Druckmaschinen aus

- München/Offenbach - Der MAN-Konzern steigt überraschend aus dem Geschäft mit Druckmaschinen aus. Die Mehrheit an der Tochter MAN Roland wird an eine Beteiligungsgesellschaft der Allianz verkauft. "Für uns ist dies eine historische Weichenstellung, die dazu dient, unser Unternehmen noch klarer zu strukturieren und ertragsstärker zu machen", sagte MAN-Chef Hakan Samuelsson am Mittwoch in München. Der weltweit zweitgrößte Hersteller von Drucksystemen MAN Roland solle unter der neuen Führung ausgebaut und in vier bis fünf Jahren an die Börse gebracht werden. Damit trennt sich der MAN-Konzern von mehr als zehn Prozent seines Umsatzes und knapp 9000 Mitarbeitern. Zusätzlicher Stellenabbau sei im Zuge des Verkaufs nicht geplant.

MAN-Chef Hakan Samuelsson sprach von einer historischen Weichenstellung. Der Konzern konzentriere sich jetzt auf vier wachstumsstarke Kernaktivitäten rund um Transport und Mobilität. Dabei handelt es sich um Nutzfahrzeuge, Dieselmotoren, den TurbinenSpezialisten MAN Turbo und den Industriedienstleister Ferrostaal. Ein Kaufpreis für MAN Roland wurde nicht genannt. Branchenexperten gehen von einem dreistelligen Millionen-Euro-Betrag aus.

Wichtigste Standorte von MAN Roland sind Offenbach, Augsburg und Plauen. MAN gründet mit Allianz Capital Partners ein Gemeinschaftsunternehmen, das die Mehrheit an der MAN Roland Druckmaschinen AG übernimmt. Auf diesem Weg bleibt MAN erst einmal mit 35 Prozent beteiligt. "Das Unternehmen wird unter dem selben Namen und dem selben Management weitergeführt", betonte Samuelsson. Die laufende Restrukturierung werde fortgesetzt. MAN-Roland-Chef Gerd Finkbeiner sprach von einer "neuen Ära". Unternehmen und Mitarbeiter bekämen eine langfristige Perspektive.

Spekulationen hatte es immer wieder über die Zukunft der kriselnden Bogendruck-Sparte von MAN Roland gegeben. Im vergangenen Jahr schaffte der Bogendruck aber zumindest wieder ein kleines operatives Plus. Insgesamt erzielte MAN Roland im vergangenen Jahr bei gut 1,7 Milliarden Euro Umsatz ein operatives Ergebnis von 65 Millionen Euro. Wegen des derzeitigen konjunkturellen Aufschwungs sei der Zeitpunkt für einen Verkauf vergleichsweise günstig, hieß es in Branchenkreisen.

Die neuen Besitzer wollen MAN Roland ausbauen. "Mit seiner starken Marktposition und exzellentem Produkt-Knowhow hat MAN Roland Druckmaschinen eine sehr gute Ausgangsposition, um weiter zu wachsen und in der anstehenden Konsolidierung der Branche eine gestaltende Rolle zu spielen", sagte Thomas Pütter, Chef von Allianz Capital Partners.

Der MAN-Konzern korrigierte am Mittwoch auch seinen Umsatz für das Jahr 2005 nach einer Umstellung der Bilanzierung nach unten. Statt der veröffentlichten 14,95 Milliarden Euro liege der Umsatz nun bei 14,67 Milliarden Euro, hieß es. Grund dafür sei eine Änderung bei der Bilanzierung von Nutzfahrzeugen. Auch die Bilanz 2004 wurde angepasst. Durch die Umstellung solle der MAN-Abschluss besser mit denen der Konkurrenten vergleichbar sein. Der Konzerngewinn änderte sich durch die Umstellung nicht: Der Gewinn nach Steuern bleibt bei den bereits veröffentlichten 472 Millionen Euro. Die Aktionäre sollen mit einer Dividende von 1,35 Euro je Aktie am Gewinn beteiligt werden (Vorjahr 1,05 Euro).

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