Steinkohleförderer liebäugelt mit Aufbruch zu neuen Zielen

- Essen - Der "Neue" hatte vor einer Woche erst angekündigt, das durch Kohle geprägte Bild der RAG gerade zu rücken. Selbst einen neuen Namen für den Konzern, der mit der Übernahme des Spezialchemieunternehmens Degussa ein völlig neues Gesicht bekomme, hielt Werner Müller langfristig für möglich. Jetzt schließt er nicht mehr aus, die Steinkohle aus dem eigenen Haus zu befördern. Dass das Minus bei der Kohleförderung zu Lasten anderer Konzernressorts geht, hat nicht erst Müller bemerkt.

<P>Die ureigenste Aufgabe der früheren Ruhrkohle AG, mit dem heute neutralen Namen RAG, war die Sicherung der Kohleförderung - bis 1997 die Bundesregierung unter Helmut Kohl dem Konzern die Möglichkeit einräumte, in andere Gebiete vorzustoßen.<BR>Wie aber, wenn überhaupt, ein Kohle-Ausstieg zu machen sei, hat der frühere Bundeswirtschaftsminister Werner Müller in seinem Denkansatz nicht preisgegeben. Sein Vorgänger bei der RAG, Karl Starzacher, hatte schon erstaunt auf die Frage geantwortet, ob er wirtschaftlich denken könne und die verlustreiche Tochter Deutsche Steinkohle AG nicht einfach verkaufen wolle. Er könne schon ökonomisch denken. "Wir sehen momentan den Käufer nicht", hatte Starzacher sichtlich amüsiert betont.</P><P>Eine Verstaatlichung des Steinkohlenbergbaus hat bislang auch niemand ernsthaft gefordert. Akut ist die Frage nach einem eventuellen Ausstieg der RAG aus Sicht der Beteiligten ohnehin nicht. Die RAG betont: "Es gibt keinen Ausstiegsplan." Die zuständige Gewerkschaft stellt fest: "Mit der Bundesregierung ist vereinbart, dass der Steinkohlenbergbau unter dem Dach der RAG AG verbleibt." Es gebe auch keinen Grund diese bewährte Regelung in Frage zu stellen, vermerkt IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt.</P><P>Eigentlich, so war aus Konzernkreisen zu hören, wollte Müller wohl nur Visionen verbreiten. "Vor 10 oder 20 Jahren hat sich ja auch niemand vorstellen können, dass sich der Bergbaukonzern zum Chemiespezialisten entwickelt."</P>

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