Stellenabbau, Filialschließungen: Karstadt kämpft ums Überleben

- München - Die Lage bei der Karstadt-Quelle AG ist existenzbedrohend. Zur Rettung des kriselnden Handelsimperiums hat ihr Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff "einen echten Solidarpakt von Mitarbeitern wie Führungskräften, Gesellschaftern und Banken" gefordert. Die nahe Zukunft von Europas größtem Kaufhaus- und Versandhandelskonzern werde "von tiefen Schnitten und weit reichenden Schritten geprägt sein", sagte Middelhoff dem "Spiegel". "Es geht ums Überleben."

<P>In allen drei Kernbereichen des Essener Konzerns - im Versand- und stationären Handel sowie bei den Dienstleistungen - sei die Lage "sehr ernst". Alles, was nicht Stammgeschäft sei, stehe nun zur Disposition. Auch der Versandhandel von Neckermann und Quelle müsse sich auf einen "schmerzhaften Personalabbau" einstellen. Angeblich sollen 8500 Stellen wegfallen. Diese Zahl nannte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Unternehmenskreise. Demnach ist vor allem das Warenhausgeschäft betroffen, im Versandhandel fallen 2500 Jobs weg.</P><P>Im ersten Halbjahr 2004 hatte Karstadt-Quelle einen Verlust von 300 Millionen Euro verbucht. Nicht kommentieren wollte Middelhoff Details der geplanten Sanierungsmaßnahmen, über die der Aufsichtsrat heute berät.</P><P>Kapitalerhöhung, um Pleite zu verhindern</P><P>Nach "Spiegel"-Informationen plant der Vorstand unter Christoph Achenbach, 77 der zurzeit 180 Warenhäuser auszugliedern, dies seien drei Mal so viele wie bislang angenommen. Nach Informationen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" soll das Sortiment dieser meist kleineren Filialen massiv gestrafft werden. Sie sollen dann unter dem Konzerndach bleiben. Es handele sich meist um Häuser in Mittelstädten mit einer Verkaufsfläche von weniger als 8000 Quadratmetern. Etwa fünf Filialen sollen komplett aufgegeben werden. Für weitere zehn strebe der Konzern Kooperationen mit anderen Partnern an. Dies könne für die Filialen letztlich einen kompletten Verkauf, aber auch eine gemeinsame Nutzung bedeuten. Andernfalls drohe auch diesen Filialen die Schließung. In den meisten betroffenen Standorten, darunter Kiel und Krefeld, seien diese Pläne bereits bekannt. Wie viele Arbeitsplätze wegfallen und welche finanziellen Zugeständnisse die Mitarbeiter machen müssen, stehe offenbar noch nicht fest. Die Verhandlungen darüber seien aber konstruktiv.</P><P>Zudem soll es enorme Wertberichtigungen geben, die mit einer kräftigen Kapitalerhöhung aufgefangen werden sollen, weil dem Unternehmen sonst die Pleite drohe, berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Unter anderem solle die Textilhaus-Kette Sinn Leffers abgestoßen werden. Nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" soll auch das Gemeinschaftsunternehmen mit der US-Kaffeehauskette Starbucks beendet werden. Die Trennung sei Teil des Sanierungsprogramms, hieß es unter Berufung auf Aufsichtsrats-Kreise. Ein Karstadt-Sprecher wollte die Berichte nicht kommentieren.</P>

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