Stellenabbau bei Gerling nach Übernahme

- Köln - Nach der Übernahme des Versicherungskonzerns Gerling durch die Talanx-Gruppe sollen in den kommenden zwei Jahren Stellen abgebaut werden. Der Umfang sei noch unklar, sagte Christian Hinsch, Talanx-Vorstandsmitglied und künftiger Gerling-Vorstandschef.

Es sei "unverantwortlich, bereits Zahlen zu nennen", fügte Hinsch hinzu. Die Personaleinsparungen nach der Gerling-Integration würden sich "sehr unterschiedlich über die verschiedenen Bereiche verteilen". Der Stellenabbau werde so gering wie möglich gehalten, versicherte er. Unter der Marke HDI Gerling ist bis 2008 der Aufbau von zwei "schlagkräftigen" Gruppen für das Sach- und Lebensversicherungsgeschäft geplant.

Talanx (Hannover) ist mit geplanten Prämien-Einnahmen von mehr als 20 Milliarden Euro für 2006 die drittgrößte deutsche Versicherungsgruppe. Zu ihr gehören auch der Industrieversicherer HDI und die Hannover Rückversicherung. Die Gruppe beschäftigt gut 10 000 Mitarbeiter. In der Gerling Beteiligungs-GmbH (GBG) - nun eine hundertprozentige Tochter der Talanx AG - waren zum Jahresende 2005 noch 6420 Beschäftigte tätig, 350 weniger als ein Jahr zuvor. Presseberichte über künftig bis zu 2000 wegfallende Stellen hatte die Gruppe schon zuvor als Spekulation zurückgewiesen.

Hinsch betonte, auch über die Frage der Standorte sei noch nicht entschieden. Gerling hat 21, Talanx 15 Standorte in Deutschland. Das Traditionsunternehmen Gerling, das 2002 in ein Krise geraten war, ist seit 1. Mai Teil von Talanx. Über den Kaufpreis machte die Konzernspitze auch am Montag keine Angaben.

Talanx bringt sich durch den Gerling-Erwerb mit mehr Gewicht gegen Branchenführer Allianz und Münchener Rück in Stellung. Die Vertriebswege des gestärkten Konzerns deckten nun im Sach- und Lebensversicherungsgeschäft fast das vollständige Marktspektrum ab, betonte Hinsch. Dies sei in dieser Breite einzigartig in Deutschland. Auch international wachse die Präsenz. Derzeit arbeite man bei der Integration der Gerling-Gruppe noch am "Feinkonzept". Der Fokus liege weiter auf dem Erstversicherungsgeschäft.

Im einzelnen ist vorgesehen, der Sachversicherung und der Lebensversicherung eine neue Struktur zu geben. Als 100-prozentige Talanx-Tochter soll für beide Bereiche je eine Zwischenholding gegründet werden, die als Service-Gesellschaft fungiert. Darunter werden die einzelnen Gesellschaften zusammengeführt, die jeweils in ihren Namen "HDI Gerling" tragen. In der Sachversicherung will die Gruppe eine zusätzliche Ausrichtung auf den Mittelstand und die mittlere Industrie starten, da in dieser Hinsicht in Europa noch viel Wachstumspotenzial bestehe.

Hinsch betonte, Talanx habe mit Gerling einen im Jahr 2005 sehr erfolgreiches Unternehmen gekauft. Das Ergebnis nach Steuern der GBG stieg auf 158 Millionen Euro (2004: 141 Mio Euro). Das Prämienvolumen wuchs auf knapp 4,6 Milliarden Euro - nach 4,3 Milliarden Euro 2004.

Gerling war 2002 ins Schlingern geraten, hatte sein Rückversicherungsgeschäft verkauft und mehrere Finanzspritzen erhalten. Zuletzt hatte Gründer-Enkel Rolf Gerling nach Übernahme von Anteilen der Deutschen Bank 90 Prozent der Aktien im Besitz. Im März 2002 kündigte er an, die Mehrheit abgeben zu wollen. Die Übernahme durch Talanx war von der EU-Kommission nur unter Auflagen genehmigt worden. Talanx wurde verpflichtet, Teile des Pharmahaftpflichtgeschäfts der Tochter HDI zu verkaufen.

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